

ASML verliert heute fast 10 % an nur einem Handelstag – und damit verdichtet sich genau jenes Bild, das bereits vor einigen Wochen kritisch wurde. Die Aktie war nach einem extrem starken Anstieg weit außerhalb ihres langfristigen Trendkanals unterwegs und damit aus händlerischer Sicht an einer sehr ungünstigen Verortung. Aus meiner Perspektive ist der heutige Rücksetzer deshalb keine isolierte Überraschung, sondern die erste sichtbare Antwort auf eine vorher aufgebaute Überdehnung. Der Markt beginnt, einen Exzess zu normalisieren, der sich zuvor über viele Wochen und Monate aufgebaut hatte.

Der Vergleich mit Rheinmetall ist deshalb spannend, weil dort eine ähnliche Marktmechanik sichtbar wurde. Auch Rheinmetall lief nach einem massiven Impuls weit über den eigenen Trendkanal hinaus, wurde von Hype, politischer Fantasie und Momentum getragen und fiel später wieder in realistischere Trendbereiche zurück. Genau darum ging es bei der damaligen Einordnung: Nicht ASML und Rheinmetall als Unternehmen sind identisch, sondern die Marktsituation ist vergleichbar. Wenn eine Aktie weit außerhalb ihres normalen Trendrahmens handelt, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Markt irgendwann nicht nur leicht korrigiert, sondern die vorherige Übertreibung konsequenter abbaut.

Siehe auch: https://pepperstone.com/de-de/analysen/sap-siemens-allianz-im-q2-2026-drei-dax-schwergewichte-3-setups/
Noch deutlicher wird die Logik im Vergleich zu Siemens. Dort war die Aktie nicht oben im Exzess interessant, sondern tief in der Korrektur innerhalb eines übergeordnet intakten Trends. Genau das ist der Unterschied zwischen professioneller Verortung und nachlaufendem Hype. Gute Long-Setups entstehen häufig dort, wo ein starker Trend bereits korrigiert hat und wieder in einen neuen Impuls übergehen kann. Bei ASML war zuletzt das Gegenteil der Fall: Die Aktie stand nach einem starken Lauf weit oben, außerhalb des Trendkanals und damit in einer Zone, in der das Chancen-Risiko-Verhältnis für neue Longs zunehmend schlechter wurde.

ASML hatte zuvor einen massiven Anstieg von über 250 % hinter sich. Vor diesem Hintergrund wirkt ein Tagesverlust von fast 10 % zwar spektakulär, ist aber gemessen am vorherigen Impuls noch keine vollständige Korrektur. In der Vergangenheit folgten auf starke Anstiege bei solchen Aktien immer wieder deutlich tiefere Rückläufe, teilweise mit Korrekturen von rund 50 %. Meiner Meinung nach ist genau das der Punkt, den man jetzt nicht unterschätzen sollte: Der heutige Abverkauf sieht groß aus, kann aber im Verhältnis zum vorherigen Exzess lediglich der Beginn einer größeren Normalisierung sein.
Viele Anleger argumentieren bei starken Titeln schnell mit Zukunftsfantasie, politischen Faktoren, Halbleiterbedarf oder der Möglichkeit weiterer Kursverdopplungen. Das kann kurzfristig Momentum erzeugen, ändert aber nichts an der Verortung. Finanzmärkte funktionieren nicht dauerhaft über Geschichten, sondern über Preis, Akzeptanz, Positionierung und Risiko. Wenn eine Aktie bereits weit außerhalb ihrer normalen Struktur läuft, wird jeder zusätzliche Anstieg zunehmend fragiler. Für mich bleibt ASML daher kurzfristig bis mittelfristig kritisch: Die Aktie ist nicht günstig geworden, nur weil sie heute stark fällt.
Sollte sich die Normalisierung fortsetzen, reichen einfache Rücksetzer möglicherweise nicht aus. Im schwächeren Szenario könnten auch deutlich tiefere Zonen relevant werden – bis in den Bereich um 1.000 bzw. 645 €. Das klingt nach einem großen Abstand, passt aber besser zur Logik einer Aktie, die zuvor weit außerhalb ihres Trendkanals gehandelt hat. Entscheidend ist dabei nicht, ob ASML sofort dorthin fällt. Entscheidend ist, dass diese Zone als Risikobereich mitgedacht werden muss, solange der Markt keine tragfähige Stabilisierung ausbildet. Auch ein Blick auf das ADR bestätigt die gleiche Grundstruktur: Ob in Euro oder US-Dollar betrachtet, die Überdehnung bleibt sichtbar.
ASML bleibt ein bedeutender Halbleiterwert, aber der heutige Rückgang zeigt, dass selbst hochwertige Aktien nicht dauerhaft gegen extreme Überdehnung immun sind. Der Markt korrigiert nicht die komplette Unternehmensqualität, sondern vor allem die vorherige Exzessbewertung. So ordne ich das aktuell ein: Der Tagesverlust von fast 10 % ist ein Warnsignal, aber noch keine abgeschlossene Bereinigung. Günstige Verortungen sehen anders aus – sie entstehen tief in der Korrektur, nicht oberhalb eines überdehnten Trendkanals. Solange keine belastbare Bodenbildung sichtbar wird, bleibt ASML weiterhin in einer kritischen Marktphase.
Herzliche Grüße aus Berlin,
Ihr Dennis Gürtler.
Diese Information wurde von Pepperstone GmbH bereitgestellt. CFD sind komplexe Instrumente und beinhalten wegen der Hebelwirkung ein hohes Risiko, schnell Geld zu verlieren. 73,9 % der Kleinanlegerkonten verlieren Geld beim CFD-Handel mit diesem Anbieter. Sie sollten überlegen, ob Sie verstehen, wie CFD funktionieren und ob Sie es sich leisten können, das hohe Risiko einzugehen, Ihr Geld zu verlieren. Diese Inhalte stellen keine unabhängige Finanzanalyse dar, sondern gehören zu unserer Werbemitteilung. Folglich sind die gesetzlichen und regulatorischen Bestimmungen, die sich auf unabhängige Finanzanalysen beziehen, nicht auf diese Website und unsere Kommunikation anwendbar. Diese Inhalte (unabhängig davon, ob sie Meinungen wiedergeben oder nicht) dienen nur der allgemeinen Information und berücksichtigen Ihre persönlichen Umstände oder Ziele nicht. Obwohl die in dieser Werbemitteilung enthaltenen Informationen aus Quellen, welche als verlässlich betrachtet werden können, bezogen wurden, gewährleisten weder Pepperstone noch der Autor die Richtigkeit oder Vollständigkeit dieser Informationen. Alle Informationen sind nur indikativ, können ohne vorherige Mitteilung abgeändert werden und können jederzeit veraltet sein. Weder Pepperstone noch der Autor übernehmen Haftung für Verluste. Informationen über die frühere Wertentwicklung eines Finanzinstruments lassen keine verlässliche Schlussfolgerung auf die zukünftige Entwicklung zu. Die Rendite kann infolge von Währungsschwankungen steigen oder fallen kann.