
Der Druck auf die Tech-Aktien bleibt weiterhin sichtbar. Der Nasdaq zeigt sich aktuell als einer der schwächsten großen Indizes, nachdem er zuvor über Wochen deutlich überdehnt gehandelt hatte. Schon vor einiger Zeit war er außerhalb seiner statistischen Schwankungsbreiten unterwegs und notierte oberhalb der Value Area High des aktuellen Jahres. Genau das war aus meiner Perspektive der entscheidende Warnhinweis: Nicht weil der Markt sofort fallen muss, sondern weil die Verortung für mittelfristige und langfristige Long-Positionen zunehmend unattraktiv wurde.

Die Value Area des aktuellen Jahres liegt im Nasdaq grob zwischen 24.000 und 29.350 Punkten. Dass der Markt nun von oben wieder in diese Zone zurückfällt, ist nicht positiv zu werten. Es zeigt, dass die Kurse oberhalb der Value nicht dauerhaft akzeptiert wurden. Ein solcher Rückfall ist ein klassisches Break-in-Szenario: Der Markt handelt zunächst über den fairen Preisbereich hinaus, scheitert dort aber und fällt anschließend zurück in die zuvor akzeptierte Zone. Meiner Meinung nach ist das kein dramatischer Sonderfall, sondern eine normale Marktreaktion nach einer überzogenen Aufwärtsbewegung.
Man muss die laufende Schwäche in den richtigen Kontext setzen. Im März 2026 hatte der Nasdaq die untere statistische Bandbreite angelaufen und konnte anschließend aus dem Stand rund 33 % ansteigen. Eine derart explosionsartige Bewegung ohne nennenswerte Zwischenkorrektur verlangt irgendwann nach einer Bereinigung. Genau diese Bereinigung läuft jetzt. Das bedeutet nicht automatisch Crash, aber es bedeutet, dass der Markt Luft ablassen muss – entweder über Zeit, über Preis oder über eine Kombination aus beidem. Wer nach einem solchen Impuls noch oben Long-Risiken aufbaut, handelt gegen eine sehr ungünstige Verortung.

Auch mit klassischen Methoden wie einem linearen Trendkanal lässt sich die Überdehnung erkennen. Der Nasdaq handelte zeitweise oberhalb dieses Kanals und damit außerhalb einer normalen Trendstruktur. Solche Bewegungen können kurzfristig spektakulär aussehen, sind aber häufig nicht nachhaltig, wenn keine neue Akzeptanz entsteht. Für mich ist das Zusammenspiel aus statistischer Bandbreite, Value Area High und Trendkanal entscheidend: Drei unterschiedliche Perspektiven zeigen dieselbe Aussage. Der Markt war zu teuer, und die aktuelle Korrektur ist zunächst eine gesunde Normalisierung.
Für den mittelfristigen Charakter rücken nun tiefere Zonen in den Fokus. Eine wichtige Reaktionsmarke liegt bei rund 26.300 Punkten. Zusätzlich ist der Point of Control des aktuellen Jahres im Bereich um 26.150 Punkte relevant. Dort sollte man den Markt wieder genauer beobachten, weil solche Volumenanker häufig zu ersten stabileren Reaktionen führen können. Wichtig bleibt aber auch hier: Ein Level ist kein automatischer Long-Einstieg. Erst wenn dort Absorption, Stabilisierung oder eine untergeordnete Trendwende sichtbar wird, entsteht daraus ein handelbares Szenario.

Ein ähnliches Bild zeigt der SOXX, also der Halbleiter-ETF. Auch dort ist die Bewegung nach oben extrem weit gelaufen, und viele Einzelwerte wie Micron, AMD und andere Halbleiteraktien stehen nach explosionsartigen Anstiegen weiterhin deutlich über ihren gesunden Verortungen. Natürlich kann es zwischendurch Rallye-Phasen geben, aber das ändert nichts am übergeordneten Problem: Der Halbleiterbereich ist weiterhin teuer und anfällig für weitere Korrekturen. So ordne ich das aktuell ein: Solange diese Titel keine tiefere Bereinigung durchlaufen haben, bleibt der Sektor ein Risikofaktor für den gesamten Tech-Markt.

Auch der XLK, also der Technology Select Sector ETF, bestätigt die Schwäche der Technologiewerte. Der ETF ist ebenfalls überdehnt und handelt in einer Struktur, in der tiefere Korrekturen realistisch bleiben. Aktuell hält sich der Markt noch im Bereich um 170 USD, doch ein Bruch darunter könnte weiteres Abwärtspotenzial freisetzen. Dann rücken vor allem die Zonen um 160 USD und später 151 USD in den Fokus. Die Kernaussage bleibt damit klar: Tech ist nicht grundsätzlich kaputt, aber die vorherige Übertreibung ist noch nicht vollständig verarbeitet. Solange der Markt unter Druck bleibt, sind Rückläufe in faire Value-Zonen wahrscheinlicher als ein sofortiger, sauberer neuer Aufwärtsimpuls.
Herzliche Grüße aus Berlin,
Ihr Dennis Gürtler.
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