

NVIDIA fällt aktuell negativ auf, weil die Aktie nicht mehr nur in einer normalen Konsolidierung handelt, sondern wichtige Value-Area-Strukturen wieder von oben nach unten durchläuft. Besonders relevant ist, dass der Kurs sowohl in die Value Area des aktuellen Jahres als auch in die Value Area des vorherigen Jahres zurückgehandelt wurde. Das ist kein Zeichen von Stärke, weil oberhalb dieser fairen Preisbereiche keine nachhaltige Akzeptanz entstanden ist. Aus meiner Perspektive ist genau diese Rückkehr in die Value entscheidend: Der Markt zeigt, dass der vorherige Ausbruch nicht mehr sauber getragen wird und damit weiteres Korrekturpotenzial entstehen kann.
Die Value Area ist im Trading mehr als nur ein technischer Bereich. Sie zeigt, wo ein Markt über Volumen tatsächlich akzeptiert wurde. Wenn eine Aktie kurz über die Value Area High ausbricht, neue Hochs markiert und anschließend wieder in diesen Bereich zurückfällt, entsteht ein klares Warnsignal. Bei NVIDIA lag das neue Allzeithoch im Bereich von rund 213 USD, doch oberhalb der Value entstand keine stabile Anschlussbewegung. Genau diese Mechanik erinnert an andere überhitzte Trendaktien: Der Markt handelt kurz über den akzeptierten Bereich, lockt späte Käufer an und wird anschließend wieder in die Value zurückverkauft.
Ein vergleichbarer Mechanik-Hinweis lässt sich bei Rheinmetall beobachten. Auch dort war die Aktie extrem gehypt, handelte in einen übergeordneten Exzess hinein und fiel später wieder in relevantere Value- und Trendbereiche zurück. Natürlich ist NVIDIA nicht Rheinmetall, und die fundamentale Story ist eine andere. Aber die Marktmechanik ist vergleichbar: Wenn ein Titel weit außerhalb seiner statistischen Bandbreiten und oberhalb wichtiger Value-Zonen handelt, kann er zwar kurzfristig weiter steigen, doch diese zusätzlichen Gewinne sind häufig nur „geborgt“. Meiner Meinung nach ist das der Punkt, den man bei NVIDIA aktuell ernst nehmen sollte: Die Aktie ist stark, aber die Verortung ist nicht mehr günstig.
Kurzfristig kann man argumentieren, dass NVIDIA eine Art bullische Flagge ausbildet und daraus wieder nach oben impulsiv ausbrechen könnte. Ausgeschlossen ist das nicht. Die entscheidende Frage lautet aber: Warum sollte genau dort ein wirklich starker Impuls entstehen? Ein nachhaltiger Impuls braucht häufig eine Schieflage im Markt – also Positionierungen, die aufgelöst werden müssen. Deutlich planbarer wäre deshalb ein Szenario, in dem NVIDIA zunächst unter wichtige Tiefs läuft, Stops auslöst, Privatanleger auf die falsche Seite zieht und anschließend wieder nach oben dreht. Erst ein solcher Stop Run mit Trapped Sellers kann die Liquidität liefern, die einen neuen sauberen Aufwärtsimpuls strukturell besser begründet.

Mittelfristig rückt vor allem der Bereich um 172 USD in den Fokus, weil dort die Value Area Low des aktuellen Jahres liegt und zusätzlich statistische Bandbreiten relevant werden. Sollte NVIDIA dort oder leicht darunter einen Stop Run ausbilden, könnte genau daraus ein interessanter neuer Impuls entstehen. Darunter bleiben 161 USD und 159 USD wichtige Unterstützungen. Selbst wenn diese Bereiche kurz unterlaufen werden, wäre der übergeordnete Trend nicht automatisch gebrochen. Genau hier ist die Unterscheidung wichtig: Eine Trendverletzung ist noch kein Trendbruch. Erst wenn weitere wichtige Unterstützungen aufgegeben werden und keine Rückeroberung entsteht, würde sich das mittelfristige Bild deutlich verschlechtern.
Auf der Unterseite liegen weitere relevante Zonen bei 143 USD, 140 USD, 133 USD und 120 USD. Besonders der Bereich um 143 USD ist als High Volume Node interessant, weil dort früher viel Volumen gehandelt wurde und damit eine potenzielle Akzeptanzzone entsteht. Die 120 USD entsprechen der Value Area Low des vorherigen Jahres und wären aus heutiger Sicht eine deutlich tiefere Korrekturzone. So ordne ich das aktuell ein: NVIDIA muss nicht sofort in diese Bereiche fallen, aber wer mittelfristig plant, sollte diese Marken kennen. Erst dort hätte die Aktie nach einer tiefen Bereinigung wieder eine deutlich gesündere Verortung für neue Impulse.

Für den kurzfristigen Handel ergeben sich zwei interessante Short-Verortungen. Die erste liegt im Bereich um 200 USD, sofern NVIDIA dort nach einem Rücklauf oder einer Reaktion erneut Schwäche zeigt. Die zweite Zone liegt höher bei 216–220 USD, also in einem Bereich, in dem ein erneuter Ausbruch oder Spike über relevante Hochs wieder abverkauft werden könnte. Wichtig ist dabei: Das sind keine Prognosen, sondern Orte. Ich würde dort nicht einfach blind shorten, sondern nur dann aktiv werden, wenn der Markt im kleineren Zeitfenster Schwäche, Absorption oder einen klaren Rückfall ausbildet. Zeigt NVIDIA dort keinerlei Schwäche, bleibt das Kapital geschützt und der Trade wird nicht erzwungen.

Ausgehend von der kurzfristigen Analyse konnte Nvidia den zuvor überdehnten Zustand abbauen und korrigierte exakt in den vordefinierten ersten kurzfristigen Bereich bei rund 200 US-Dollar. Dort lagen die volumengewichteten Durchschnitte ausgehend vom Hoch im Juni, konkret vom 22. Juni 2026. In genau diesem Bereich konnte die Aktie dann auch sehr sauber reagieren – sogar zweimal. In Summe prallte sie um rund 5 % ab, was für einen Intraday-Verlauf bereits eine sehr ordentliche Bewegung darstellt. Gerade vor dem Hintergrund der sehr kurzfristigen Ausrichtung ergaben sich dort mehrere Möglichkeiten, die Aktie in diesem Bereich auch auf der Short-Seite zu handeln. Insgesamt reagierte der Titel dort zwei- bis dreimal, womit die Zone zunächst als abgearbeitet zu betrachten ist.
Weitere kurzfristige Handelszonen liegen nun noch an der Value Area High des Monats Juni. Abseits dessen bleibt die Aktie weiterhin in einem korrektiven Umfeld, während die übrigen bereits definierten Zonen ihre Gültigkeit behalten.

Die Nvidia-Aktie konnte auch die zweite Short-Zone im Bereich von 213 USD anlaufen und dort erfolgreich nach unten reagieren. Nach der ersten abgearbeiteten Short-Zone hat damit auch die zweite Verortung sehr sauber funktioniert. Nominal lag die Reaktion bei knapp 16 USD, prozentual entspricht das ungefähr 8 %. Für mich bestätigt das noch einmal sehr deutlich, warum solche vorbereiteten Widerstandsbereiche gerade nach starken Überdehnungen eine hohe Relevanz haben können.
Wichtig ist dabei, die Bewegung nicht im Nachhinein zu überhöhen. Entscheidend war nicht, dass Nvidia „fallen musste“, sondern dass die Aktie an einer klar vorbereiteten Zone sichtbar an Stärke verloren hat. Genau dort entsteht der fachliche Vorteil: Widerstand, Überdehnung und untergeordnete Reaktion greifen ineinander. Wer erst im laufenden Abverkauf hinterherläuft, hat diesen Vorteil häufig nicht mehr. Deshalb bleibt für mich die Verortung vor dem Signal entscheidend.
Damit ist die gesamte Nvidia-Analyse zunächst abgearbeitet. Die erste und die zweite Short-Zone wurden angelaufen und haben jeweils eine starke Reaktion geliefert. Sollten sich neue Möglichkeiten ergeben, werde ich diese natürlich weiter mitverfolgen, neu einordnen und an entsprechender Stelle veröffentlichen. Bis dahin ist das Setup für mich sauber abgeschlossen.
Herzliche Grüße aus Berlin,
Dennis Gürtler.
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