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Auch der Nasdaq bestätigt dieses Bild. Der Index war über Wochen außerhalb seiner statistischen Schwankungsbreiten unterwegs. Dass sich eine Korrektur dann nicht sofort am nächsten Tag entfaltet, ist völlig normal, weil eine Wochenkerze eben Zeit braucht und Überdehnungen häufig erst verzögert abgebaut werden. Inzwischen hat der Markt die Korrektur jedoch begonnen. Der bisherige Rücklauf von rund 12 % ist im Verhältnis zum vorherigen Anstieg noch moderat. Entscheidend wird jetzt, ob der Nasdaq weiter in Richtung der Value Area High des Vorjahres läuft. Dort könnten aus mittelfristiger Sicht wieder deutlich spannendere Kurse entstehen.
Nasdaq, Halbleiter und viele stark gelaufene Tech-Werte stehen weiter unter Druck. Das ist aus meiner Perspektive keine überraschende Entwicklung, sondern die natürliche Antwort auf eine vorher extrem ausgedehnte Aufwärtsbewegung. Viele dieser Titel liefen weit oberhalb ihrer statistischen Schwankungsbreiten, während die Stimmung immer bullischer wurde. Genau dort entsteht häufig die gefährlichste Phase: Der Markt wirkt stark, aber die Verortung ist längst nicht mehr attraktiv. Wer oben noch hinterherkauft, handelt nicht mehr aus einem guten Chancen-Risiko-Verhältnis, sondern meist aus der Angst heraus, den nächsten Impuls zu verpassen.
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Der Halbleitersektor, abgebildet über den SOXX, zeigt weiterhin ein klares Überdehnungsbild. Der ETF lief deutlich außerhalb seiner normalen statistischen Bandbreiten und hat nach einem extrem starken Anstieg noch keine wirklich überzeugende Stabilisierung ausgebildet. Ausgehend vom vorherigen Impuls bleibt die Korrektur bislang eher eine erste Normalisierung als eine abgeschlossene Bereinigung. Relevante Bereiche auf der Unterseite liegen bei 438 USD und später im Bereich um 385 USD. Erst dort wird es aus mittelfristiger Perspektive wieder deutlich interessanter, weil der Markt dann näher an seine normale Trendstruktur zurückläuft.
Zusätzlich lässt sich beim SOXX ein Anchored VWAP auf das Tief vom April 2025 legen – also auf jene Phase, in der die Zollthemen rund um Donald Trump den Markt stark belasteten. Dieser volumengewichtete Durchschnitt liegt im Bereich um 354 USD und zeigt, wie weit der Markt vom durchschnittlich akzeptierten Preis dieses großen Aufwärtsimpulses entfernt ist. Wenn ein Sektor in weniger als anderthalb Jahren mehrere hundert Prozent steigt, wäre selbst eine Korrektur von rund 45 % kein ungewöhnlicher Bruch, sondern eine gesunde Antwort auf den vorherigen Exzess. So ordne ich das aktuell ein: Der Halbleiterbereich bleibt langfristig spannend, aber kurzfristig bis mittelfristig ist die Verortung noch nicht günstig genug.
Natürlich kann es innerhalb einer laufenden Korrektur jederzeit zu kräftigen Erholungen kommen. Gerade nach schnellen Abverkäufen wirken Gegenbewegungen oft sehr dynamisch. Das ändert jedoch nichts an der übergeordneten Logik: Oben war der Markt zu teuer, unten wird er wieder interessant. Für mich bleibt deshalb entscheidend, nicht jede Zwischenrallye sofort als neue Trendfortsetzung zu interpretieren. Erst wenn der Markt in fairere Zonen zurückläuft, dort Stabilisierung zeigt und untergeordnet wieder Käufer sichtbar werden, entsteht ein gutes Long-Setup. Bis dahin bleibt die Korrektur ein Prozess – nicht ein einzelner Handelstag.
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Parallel dazu wird sichtbar, warum langweilig wirkende Titel in bestimmten Marktphasen sehr spannend werden können. Münchener Rück, Hannover Rück und auch die Deutsche Telekom waren zuletzt keine Hype-Aktien, aber genau das machte sie interessant. Während heißgelaufene KI- und Halbleiterwerte korrigieren, können defensive Titel aus tieferen Korrekturen heraus stabilere Setups liefern. Meiner Meinung nach ist das ein wichtiger Punkt für die Marktbreite: Nicht jede Chance entsteht dort, wo gerade alle hinschauen. Oft liegen die besseren Verortungen in Bereichen, die medial weniger attraktiv wirken, aber technisch deutlich sauberer sind.
Der aktuelle Rücklauf bei Nasdaq und Halbleitern ist keine Katastrophe, sondern eine notwendige Bereinigung nach extrem starken Anstiegen. Viele Tech-Werte waren schlicht zu teuer, während defensive Alternativen wie Münchener Rück, Hannover Rück oder die Deutsche Telekom bereits aus besseren Verortungen heraus interessant wurden. Der spannende Punkt kommt häufig erst dann, wenn die Nachrichtenlage wieder negativer wird und viele Marktteilnehmer in Panik verfallen. Genau dort entstehen in intakten langfristigen Trends oft die besten mittelfristigen Long-Chancen. Der Markt ist also nicht uninteressant – er ist nur noch nicht überall wieder günstig genug.
Herzliche Grüße aus Berlin,
Ihr Dennis Gürtler.
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