


Siemens hat genau das Muster gezeigt, das ich in Trendtiteln bevorzuge: Rücklauf unter die Value Area Low des Vorjahres, hier rund 208 €, und danach eine schnelle, impulsive Reaktion. Solche Bewegungen wirken im Nachhinein „offensichtlich“, werden aber live oft übersehen, weil sie in Momenten entstehen, in denen das mediale Interesse bereits weitergezogen ist. Der technische Kern bleibt simpel: Unter Value entsteht die Übertreibung, und wenn diese Übertreibung absorbiert wird, ist der nächste Trendimpuls oft nur eine Frage der Zeit – nicht der Story.
Bei der Deutschen Telekom liegt der Markt aktuell im fairen Preisbereich des Vorjahres, grob zwischen 29 € (VAL) und 34 € (VAH). Diese Value-Range ist entscheidend, weil sie erklärt, warum der Kurs an den Rändern häufig antizyklisch reagiert: Oberhalb der Value fehlt Akzeptanz, unterhalb der Value entsteht oft der Bereich, in dem wieder gesammelt wird. Nach den starken Anstiegen 2024–2025 ist es daher nicht ungewöhnlich, dass die Aktie zunächst rotiert statt „mit dem Markt zu laufen“. Genau diese Ruhephase ist häufig der Vorlauf für das nächste saubere Setup.

Ein klassisches Szenario ist ein Stop-Run unter die letzten Tiefs: schnelle, ungeduldige Verkäufe, ausgelöste Stops, kurzfristige Panik-Liquidität. Genau solche Phasen sind dafür prädestiniert, dass größere Marktteilnehmer unauffällig Positionen aufbauen können – weil Angebot plötzlich im Überfluss vorhanden ist. Besonders interessant wird es, wenn der Markt dabei zusätzlich unter die Value Area High 2024 „spiket“ und damit ein tieferes Liquiditätsereignis erzeugt. Das ist kein exotisches Ereignis, sondern in vielen Trends eher Regel als Ausnahme.
Auffällig ist, dass die jüngste Aufwärtsbewegung das vorherige Hoch nicht mehr erreicht hat. In der Marktlogik ist das oft ein Hinweis darauf, dass bei einem Bruch wichtiger Zwischenlevels auch die letzten Tiefs attackiert werden könnten. Das klingt bärisch, ist aber als Mechanik nicht automatisch negativ – es ist häufig die Vorbereitung für einen Liquiditätsschub. Meiner Meinung nach ist genau das der Punkt, den man richtig einordnen muss: Nicht als „Short-Prognose“, sondern als mögliche Bedingung, damit ein späteres Long-Setup überhaupt erst saubere Energie bekommt.

Operativ lässt sich das auf zwei Bereiche verdichten: Unter den Tiefs wird es ab rund 26 € wieder relevant, weil dort der Markt in eine Zone kippt, die einen echten Reaktions-Trade ermöglichen kann. Als „Worst-Case“-Übertreibung wird ein Spike in Richtung ~24 € skizziert – nahe eines volumengewichteten Durchschnitts –, also genau die Art „überschießender“ Bewegung, die häufig nötig ist, um Verkäufer final zu entladen. Aus meiner Perspektive ist das der Kern: Nicht auf den Spike wetten, sondern bereit sein, ihn zu nutzen, wenn der Markt dort Stabilisierung und Absorption zeigt.
Die Deutsche Telekom wirkt in dieser Phase eher vorsichtig zu behandeln, weil nach starken Anstiegen eine breitere Korrektur völlig normal ist. Der entscheidende Punkt ist die Blickrichtung: Ein möglicher Stop-Run ist kein Short-Call, sondern die potenzielle Eintrittskarte für ein Long-Setup mit besserem CRV. Wer strukturiert arbeitet, wartet auf den Liquiditätsschub unter Tiefs, beobachtet die Reaktion und handelt erst bei Bestätigung. So ordne ich das aktuell ein: Siemens hat das Muster bereits geliefert – Telekom könnte es vorbereiten, wenn der Markt die nötige Übertreibung zulässt.

Im Detail sieht man bei der Telekom – wie bei vielen Titeln – eher Fehlsignale als saubere Signale: Flaggen, Ausbrüche, Rückläufe, erneute Brüche. Genau diese „Unsauberkeit“ ist typisch für Märkte, die Liquidität abholen, bevor sie sich entscheiden. Besonders relevant wird es, wenn zusätzlich eine ältere Referenzzone ins Spiel kommt, etwa Value Area High 2024, die mit den gebrochenen Tiefs zusammen ein erweitertes Liquiditätsband bildet. Je tiefer und dynamischer der Markt dort hineindrückt, desto eher entsteht die Übertreibung, die später eine kräftige Gegenbewegung ermöglicht.
Der entscheidende Punkt bleibt: Ein Long-Trade entsteht nicht, weil der Kurs „tief“ ist, sondern weil der Markt dort Stärke zeigt. Genau deshalb ist die Unterebene – hier der Stundenchart – der Filter: Stabilisierung, Absorption, erste höhere Tiefs, Breakout-Strukturen in Trendrichtung. Ich ordne das so ein: Der Kontext wird unten vorbereitet, aber die Ausführung folgt erst, wenn die Lücke tatsächlich entsteht. Alles andere ist Hoffen – und Hoffen ist kein Risikomanagement.
Für das Long-Szenario ist „tiefer“ grundsätzlich hilfreicher, weil Übertreibung Spannung aufbaut und das CRV verbessert. Gleichzeitig bleibt das harte Gesetz: Ohne Bestätigung wird nicht gehandelt. Die Telekom kann die Unterseite noch weiter ausdehnen, und genau deshalb ist Geduld hier der Profithebel. Aus meiner Perspektive ist das Setup damit klar definiert: Stop-Run abwarten, Reaktion auf H1 lesen, erst dann den Einstieg nehmen – nicht vorher.

Die Deutsche Telekom zeigt sehr gut, wie Privatanleger in starken Trends häufig auf die falsche Fährte gelockt werden. Ich hatte bereits vor rund zwei Monaten darauf hingewiesen, als die Aktie noch im Bereich von 28 bis 29 Euro notierte, dass ein dynamischer Rücklauf unter die letzten Tiefs durchaus wahrscheinlich ist. Genau dieses Muster ist jetzt eingetreten: Der Markt hat die Unterseite angelaufen, Liquidität unterhalb der offensichtlichen Tiefs abgeholt und damit die Korrektur deutlich tiefer ausgedehnt, bevor wieder ein neuer mittelfristiger Impuls entstehen kann. Aus meiner Sicht war es deshalb richtig, nicht die vermeintlich schöne bullische Flagge im Bereich um 31 Euro zu kaufen. Wer dort zu früh eingestiegen ist, wurde anschließend mit einer Korrektur von mehr als 25 % konfrontiert. Gerade gehebelt kann so etwas schnell unangenehm werden. Deshalb bleibt der wichtigste Punkt: In Trendmärkten sind Ausbrüche auf der Unterseite oft nicht automatisch bärisch, sondern können die notwendige Bereinigung sein, bevor der nächste Aufwärtsimpuls startet.
Aktuell hat die Telekom-Aktie eine sehr tiefe Korrektur vollzogen und wichtige Unterstützungen erreicht. Besonders relevant ist der angelaufene volumengewichtete Durchschnitt, dazu kommen die Value-Area-High des Jahres 2023, der Point of Control 2023/2024 sowie die Value-Area-Low des Jahres 2024. Selbst wenn die Aktie die Korrektur wider Erwarten noch etwas ausdehnt, ist für mich das Mindestmaß einer mittelfristigen Bereinigung inzwischen erreicht. Der übergeordnete Trend bleibt weiterhin konstruktiv: Seit dem Tief um 15 Euro im Jahr 2022 lief die Aktie bis in den Bereich um 35 bis 37 Euro, zeitweise also mit einem Anstieg von rund 148 %. Die aktuelle Korrektur von etwa 34 % wirkt vor diesem Hintergrund nicht ungewöhnlich, sondern wie eine normale Trendatmung nach einem starken mehrjährigen Impuls. Entscheidend ist jetzt, ob die Aktie aus dieser tiefen Verortung wieder Käufer findet und einen neuen Aufwärtsimpuls aufbauen kann.
Genau hier liegt die eigentliche Lehre aus dem Telekom-Chart. Wenn eine Formation zu offensichtlich bullish aussieht, funktioniert sie häufig nicht direkt. Der Markt nimmt vorher oft noch die letzten Tiefs heraus, erzeugt Unsicherheit, aktiviert Stops und sammelt Liquidität ein, bevor die eigentliche Trendrichtung wieder aufgenommen wird. Das war bei der Telekom bereits mehrfach zu beobachten und zeigt sich jetzt erneut. Ab etwa 24,50 Euro wurde die Aktie für mich wieder deutlich interessanter, wobei auch ein weiterer Rücklauf in Richtung 22 Euro oder sogar 20 Euro aus mittelfristiger Sicht nicht zwingend das bullische Gesamtbild zerstören würde. Wichtig ist, dass ich nicht den ersten optisch schönen Ausbruch kaufe, sondern auf die tiefere Verortung warte. Genau dadurch ließ sich die bisherige Korrektur vermeiden – und jetzt wird die Aktie wieder spannend, weil sie dort angekommen ist, wo aus einem Stop-Run ein neuer Impuls entstehen kann.
Herzliche Grüße aus Berlin,
Dennis Gürtler.
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