
Nach dem Kontraktwechsel im FDAX am 18. September stellt sich für viele Händler die zentrale Frage, wo die aktuellen Handelsmarken jetzt sauber neu zu verorten sind. Genau deshalb lohnt sich ein frischer Blick auf die Struktur. Der Markt hat bereits eine der zuvor genannten Marken angelaufen, nämlich die Value Area High des aktuellen Jahres. Aus meiner Perspektive ist das nach dem Kontraktwechsel besonders wichtig, weil man nicht einfach alte Marken unreflektiert weiterverwenden sollte. Entscheidend ist, welche Bereiche nach der neuen Kontraktstruktur weiterhin Relevanz zeigen und wo tatsächlich Reaktionen entstehen.

In der vorherigen Einordnung standen drei zentrale Zonen im Fokus. Entweder der Markt fällt in Richtung Anchored VWAP und wichtiger Unterstützungen, wo eine Reaktion nach oben interessant werden könnte. Oder der Markt steigt zunächst an, testet nach dem Break-in-Szenario die gebrochene Value Area High von unten und wird dort abgewiesen. Genau dieses zweite Szenario hat sich nun gezeigt. Der FDAX ist an die obere Value-Struktur zurückgelaufen, hat dort angeklopft und anschließend reagiert. Das bestätigt, dass die Zone weiterhin eine wichtige taktische Rolle spielt.
Ursprünglich war die Ausgangslage klar: Der Markt war wieder in die Value Area des aktuellen Jahres zurückgebrochen. Dieses Break-in-Szenario ist deshalb relevant, weil der FDAX zuvor oberhalb des fairen Preisbereichs gehandelt hatte, dort aber keine nachhaltige Akzeptanz aufbauen konnte. Fällt ein Markt wieder in seine Value zurück, kommt es häufig zu einem späteren Pullback an die gebrochene Value Area High. Genau dort entscheidet sich dann, ob der Markt wieder Stärke aufbaut oder ob die alte obere Value-Grenze nun als Widerstand wirkt. Meiner Meinung nach war die jüngste Reaktion ein sauberer Hinweis darauf, dass diese Pullback-Logik weiterhin ernst genommen werden muss.
Nach der Abweisung an der oberen Value-Struktur wird nun die nächste Unterstützung wichtiger. Sollte der Markt erneut Schwäche zeigen, rückt der Bereich um die nächste relevante Unterstützungszone in den Fokus, in dem mehrere Referenzen zusammenlaufen können. Bei einer tieferen Korrektur bleibt zusätzlich die Value Area Low des aktuellen Jahres relevant. Wichtig ist dabei: Es geht nicht darum, eine einzelne Marke punktgenau zu treffen, sondern um Reaktionsbereiche. Gerade nach einem Kontraktwechsel sollte man solche Zonen als Korridore verstehen und nicht als starre Linien, an denen der Markt automatisch drehen muss.

Besonders spannend wird die Situation, wenn man den MDAX als ergänzende Marktinformation hinzunimmt. Der MDAX steht aktuell tiefer und könnte in ein klassisches Fehlausbruchsszenario auf der Unterseite hineinlaufen. Der faire Preisbereich des aktuellen Jahres liegt dort in einer klar abgrenzbaren Zone. Sollte der MDAX dynamisch unter seine Value Area Low fallen, während der DAX gleichzeitig an seiner Unterstützung stabilisiert, könnte genau daraus ein interessantes Zusammenspiel entstehen. Für mich wäre das eine wichtige Beobachtung: Der DAX hält eine zentrale Unterstützung, während der MDAX nach einem Fehlausbruch wieder in seine Value zurückkehrt.
Dieses Zusammenspiel könnte ein mögliches Szenario für eine Jahresendrallye vorbereiten. Klassisch wäre: September-Schwäche, dynamischer Bruch unter die Value, Fehlausbruch auf der Unterseite, anschließender Break-in zurück in den fairen Preisbereich und dann eine Bewegung in Richtung Point of Control. Ein ähnliches Muster war auch im Vorjahr zu beobachten, als der Markt nach einer Schwächephase wieder in die Value zurücklief und anschließend eine stärkere Erholung ausbildete. So ordne ich das aktuell ein: Noch ist das kein fertiges Long-Signal, aber es ist ein Szenario, das man für die kommenden Wochen auf dem Schirm haben sollte.

Der FDAX hat nach dem Kontraktwechsel bereits eine wichtige Reaktion an der oberen Value-Struktur gezeigt. Damit bleibt die Break-in-/Pullback-Logik aktiv. Für die nächsten Sessions werden vor allem die tieferen Unterstützungen im FDAX und die mögliche Fehlausbruchsstruktur im MDAX interessant. Entscheidend ist, ob beide Märkte gleichzeitig Stabilisierung zeigen. Wenn der DAX an seiner Unterstützung hält und der MDAX nach einem schnellen Unterschreiten wieder in seine Value zurückkehrt, könnte daraus ein attraktiveres Setup für eine Jahresendrallye entstehen. Bis dahin bleibt es eine vorbereitete Handelsidee – nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Herzliche Grüße aus Berlin,
Dennis Gürtler.
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