

Der Dow Jones zeigt im September aus der Big-Picture-Perspektive eine zunehmend anspruchsvolle Struktur. Die statistische Bandbreite auf Wochenbasis ist überdehnt, der Markt handelt an der oberen Begrenzung und beginnt dort erste Schwäche zu zeigen. Aus meiner Perspektive ist genau das ein wichtiger Hinweis: Solche Situationen müssen nicht sofort in eine harte Korrektur führen, aber sie zeigen, dass das Potenzial auf der Oberseite zunehmend abgearbeitet ist. Häufig folgt danach entweder eine zeitliche Korrektur über Seitwärtsphasen oder eine echte preisliche Bereinigung nach unten.

Wenn ein Markt seine obere statistische Schwankungsbandbreite erreicht, ist das kein automatisches Short-Signal. Es ist aber ein klares Warnsignal für das Chancen-Risiko-Verhältnis. Der Dow Jones kann dort noch eine Zeit lang seitwärts laufen oder leicht weiter steigen, aber die Wahrscheinlichkeit für eine Korrektur nimmt deutlich zu. Genau deshalb ist es gefährlich, am oberen Band noch große neue Long-Positionen aufzubauen. Der Markt ist nicht zwingend schwach, aber er ist aus statistischer Sicht nicht mehr günstig. Und das ist für mittelfristige Entscheidungen ein erheblicher Unterschied.
Auch das Volumenprofil bestätigt diese Einschätzung. Der Dow Jones handelt deutlich oberhalb der Value Area des aktuellen Jahres, also oberhalb des fairen Preisbereichs, in dem rund 70 % des Volumens abgehandelt wurden. Für mich ist das Volumenprofil kein klassischer Indikator, sondern eine direkte Abbildung des Marktes selbst. Es zeigt, wo echte Akzeptanz entstanden ist. Wenn der Markt deutlich über diesem Bereich handelt, ist er bezogen auf den fairen Preis schlicht teuer. Genau daraus entsteht das Risiko, dass Rückläufe in Richtung fairerer Zonen wahrscheinlicher werden.
Nicht nur auf Jahressicht, sondern auch bezogen auf den letzten Impuls wirkt der Dow Jones kurzfristig und mittelfristig überdehnt. Legt man auf diese Bewegung ein eigenes Volumenprofil, entsteht auch dort ein fairer Preisbereich, der deutlich tiefer liegt. Besonders spannend werden daher untergeordnete Korrekturen in Richtung der Zone, in der der Point of Control des aktuellen Jahres, die Value Area Low des letzten Impulses und die Value Area High des vorherigen Jahres zusammenkommen. Genau solche Überschneidungen sind wichtig, weil mehrere Marktlogiken denselben Bereich bestätigen.
Dieser erste mittelfristig interessante Bereich liegt deutlich unter dem aktuellen Markt. Dort würde der Dow Jones nicht mehr am oberen statistischen Rand handeln, sondern wieder näher an faireren Preiszonen. Meiner Meinung nach entsteht dort die erste deutlich bessere Verortung für mögliche Long-Überlegungen. Trotzdem wäre ich vorsichtig, zu früh zu kaufen. Wer in einer beginnenden Korrektur sofort sein gesamtes Pulver verschießt, hat häufig keine Liquidität mehr, wenn der Markt tiefer in die wirklich attraktiven Bereiche läuft. Genau deshalb ist eine gestaffelte Planung in solchen Phasen wesentlich sauberer als ein einzelner hektischer Einstieg.
Sollte die Korrektur stärker ausfallen, rückt der Bereich um 48.000 Punkte stärker in den Fokus. Dort würde der Markt aus meiner Sicht strategisch deutlich interessanter werden. Je tiefer der Dow Jones in eine übergeordnete Korrektur läuft, desto eher entstehen wieder attraktive Long-Verortungen im Sinne eines besseren Chancen-Risiko-Verhältnisses. Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass jeder Anleger oder Trader dort automatisch kaufen sollte. Jeder muss seine eigene Perspektive, Positionsgröße und Risikostruktur berücksichtigen. Für meine persönliche Planung wäre es aber logisch, tiefere Rückläufe schrittweise stärker zu gewichten als Käufe am oberen Band.
Der Dow Jones bleibt langfristig ein Markt mit positivem Bias, aber das löst das aktuelle Verortungsproblem nicht. Wer am oberen statistischen Band und oberhalb der Value Area große Positionen aufbaut, muss oft lange Unterwasserphasen oder magere reale Kursgewinne akzeptieren. So ordne ich das aktuell ein: Der Markt ist kurzfristig und mittelfristig zu teuer, die Korrektur hat bereits begonnen und ein Rücklauf von rund 5 % kann durchaus noch etwas ausgeweitet werden. Interessant wird der Dow Jones nicht oben im Exzess, sondern tiefer in der Korrektur – dort, wo statistische Ausdehnung, Volumenprofil und fairere Preisbereiche wieder zusammenpassen.
Herzliche Grüße aus Berlin,
Dennis Gürtler.
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