



Vorherige Analysen: https://pepperstone.com/de-de/analysen/dax-crash-september-weiterhin-unter-druck/
Der DAX hat im September genau jene Korrektur geliefert, die sich aus der vorherigen Überdehnung ableiten ließ. Bereits in der oberen Marktphase war klar, dass der Index technisch zu weit gelaufen war und eine Bereinigung einkalkuliert werden musste. Der anschließende Rücklauf von rund 1.000 bis 1.200 Punkten hat diese Einschätzung sauber bestätigt. Aus meiner Perspektive war dabei nicht die bloße Erwartung einer Korrektur entscheidend, sondern die konkrete Verortung: Der Markt war oben nicht mehr attraktiv, während tiefere Bereiche wieder wesentlich interessanter wurden.

Im Fokus stand der letzte starke Impuls. Legt man auf diesen Impuls ein Volumenprofil, wird sichtbar, wo der Markt faire Preisbereiche ausgebildet hat. Besonders relevant war dabei die Value Area Low dieses Impulses. Genau dorthin sollte der DAX zurücklaufen – nicht zwingend punktgenau, sondern als übergeordnete Zielzone. Das ist ein wichtiger Unterschied zur klassischen Trendlinienlogik. Es geht nicht darum, dass der Markt exakt an einer Linie abprallt. Häufig läuft er etwas darüber oder darunter, holt Liquidität ab und reagiert erst danach. Genau dieses Verhalten war hier sehr sauber zu beobachten.

Wichtig bleibt: In ein fallendes Messer zu greifen, nur weil eine Zielzone erreicht ist, ist keine saubere Handelslogik. Wir prognostizieren nicht, sondern reagieren. Untergeordnet zeigte der DAX im relevanten Bereich genau die Strukturen, die für ein Reversal interessant werden können. Zunächst entstanden Trapped Sellers auf der Unterseite, also Verkäufer, die nach einem Ausbruch in eine Schwäche hineingezogen wurden. Anschließend wurde dieser Ausbruch absorbiert, und mit dem Gegenausbruch über die prozyklischen Hochs entstand die erste impulsive Long-Möglichkeit. Genau dort entscheidet sich, ob man den Markt handelt – oder nur die eigene Meinung.
Auch die zweite Struktur war lehrreich. Nach dem ersten Impuls kam es erneut zu einer Korrektur, die auf der Unterseite wiederum Trapped Sellers ausbildete. Erst mit dem Ausbruch auf der Oberseite entstand die nächste konkrete Möglichkeit. Für mich ist genau das der zentrale Punkt: Man hängt sich nicht blind prozyklisch an jede Bewegung, sondern wartet auf den Fake, auf die Absorption und auf die anschließende Bestätigung. Das kostet Disziplin. Erstens darf man die Schwäche nicht direkt short mitjagen. Zweitens muss man warten können, bis der Markt tatsächlich zeigt, dass die Gegenseite übernommen hat.
Auf dem Stundenchart wirkt der DAX nach dem Rücklauf zunächst wieder konstruktiver, weil er zurück in den Trendkanal gelaufen ist. Daraus könnte man ableiten, dass der Markt nun automatisch wieder in Richtung neuer Hochs laufen müsste. Genau hier wird es aber komplizierter. Der Tageschart zeigt eine andere Perspektive: Der DAX bewegt sich seit längerer Zeit in einer breiten Value-Area-Struktur, die eher auf Seitwärtsmarkt als auf einen sauber fortgesetzten Trend hindeutet. Wir haben also eine Konfliktsituation. Der Trendkanal spricht für Erholung, die übergeordnete Value Area warnt vor einem möglichen Break-in-Szenario.

Für die zweite Septemberhälfte sind deshalb drei Bereiche besonders wichtig. Die erste Schaltstelle liegt dort, wo der Markt nach dem möglichen Break-in-Szenario wieder an die obere Value-Struktur heranläuft und dort abgewiesen werden könnte. Die zweite wichtige Zone liegt tiefer im Bereich der Tages-EMA 200, des Point of Control des aktuellen Jahres und der Value Area High des vorherigen Jahres. Dort kommt mehrere Marktlogik zusammen, weshalb eine Reaktion durchaus naheliegt. Die dritte übergeordnete Schaltstelle liegt an der Value Area Low des aktuellen Jahres, die eher als breiter Korridor und nicht als einzelner Punkt verstanden werden sollte.
Der DAX hat die erwartete Korrektur sauber geliefert und an der vorbereiteten Volumenzone erste Reaktionen gezeigt. Trotzdem ist die zweite Septemberhälfte kein einfacher Selbstläufer. Untergeordnet gibt es Long-Möglichkeiten, wenn Trapped Sellers, Absorption und Ausbrüche sauber zusammenkommen. Übergeordnet bleibt jedoch der Konflikt zwischen Trendkanal und Value-Area-Struktur bestehen. So ordne ich das aktuell ein: Der Markt ist handelbar, aber nur an klaren Schaltstellen. Wer jetzt jede Bewegung blind interpretiert, läuft Gefahr, genau in den Zonen aktiv zu werden, in denen der DAX wieder die Richtung wechselt.
Herzliche Grüße aus Berlin,
Dennis Gürtler.
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