
Der Nasdaq ist in den letzten Wochen und Monaten um über 35 % nahezu ungebremst auf ein neues Allzeithoch gelaufen – und damit zieht der Markt automatisch den medialen Fokus auf KI, Halbleiter, Software und alles, was an der Lieferkette „modern“ wirkt. Das ist nachvollziehbar, aber genau hier entsteht die klassische Timing-Falle: Je höher der Kurs, desto stärker der Wunsch, dass es „einfach weitergeht“. Aus meiner Perspektive ist das der Moment, in dem man nicht noch mehr Momentum kaufen sollte, sondern gezielt nach starken Trends in tieferer Korrektur sucht – weil in der Korrektur vor dem nächsten Impuls liegt.
In Hype-Phasen passiert immer dasselbe: Ob sich eine Aktie bereits verfünffacht oder verzehnfacht hat, verliert an Bedeutung, weil nur noch die nächste Verdopplung im Kopf ist. Das Problem ist nicht, dass Momentum „nicht funktionieren kann“ – das Problem ist, dass die Korrektur danach oft abrupt kommt und der Einstiegspreis dann brutal gegen einen arbeitet. Meiner Meinung nach ist genau diese Asymmetrie der zentrale Punkt: Wer spät kauft, blockiert Kapital, während der Markt in die Normalisierung läuft – über Zeit, über Preis oder beides.
Der sinnvollere Ansatz ist, Trendstärke nicht mit „oben kaufen“ zu verwechseln. Ein Trendtitel wird besonders interessant, wenn er abkühlt, wenn der mediale Lärm abnimmt und der Kurs in Bereiche zurückläuft, in denen Akzeptanz wieder wahrscheinlicher ist. Das ist keine romantische Antizyklik, sondern Marktmechanik: Korrekturen sind die Phase, in der Risiko wieder begrenzbar wird und der nächste Impuls überhaupt erst entstehen kann. Genau deshalb sind Titel spannend, die nicht im KI-Scheinwerfer stehen, aber strukturell sauber bleiben.

Hannover Rück hat von Juli 2022 bis zum Hoch im Mai 2025 rund +135 % geliefert und korrigiert aktuell um 23–24 %. Das ist als Antwort auf den vorherigen Impuls nicht übermäßig viel – aber es reicht, um die Aktie wieder in eine Zone zu bringen, in der Setups überhaupt planbar werden. Entscheidend ist die Verortung: Sie nähert sich der Value Area Low 2024, also einem Bereich, in dem der Markt historisch deutlich mehr Akzeptanz gezeigt hat. Aus meiner Perspektive ist das die Art Korrektur, in der man nicht „billig“ kauft, sondern auf Stabilisierung und Bestätigung wartet.

Münchener Rück zeigt die gleiche Logik in größer: Aus 2022 bis April 2025 lag der Anstieg bei rund +200 %, die Korrektur beträgt aktuell etwa 30 %. Damit ist die Aktie deutlich abgekühlt, ohne dass die Grundstruktur zwangsläufig „kaputt“ sein muss. Der Markt bekommt damit wieder Raum, um einen neuen Impuls zu bauen – entweder über eine Bodenbildung, über eine Seitwärtsphase oder über einen sauberen Rebound aus einer fairen Zone. So ordne ich das aktuell ein: Nicht die Frage „wann dreht sie“, sondern „wo wird der nächste Impuls statistisch plausibel“.
Der gemeinsame Nenner ist klar: Beide Titel sind nicht gehypt, aber sie sind als Trendkandidaten in Korrekturphasen genau dort, wo das CRV wieder besser wird. Das operative Vorgehen bleibt dabei strikt: Erst der übergeordnete Kontext (Korrektur in Richtung fairer Bereiche wie Value Area Low), dann Bestätigung auf der Unterebene. Wer kurzfristig handelt, sucht dann nicht nach „einer Story“, sondern nach untergeordneten Breakouts und Reaktionsmustern, die aus dieser Verortung heraus entstehen. Für mich ist das der sauberste Kompromiss: antizyklischer Kontext, prozyklische Ausführung.
Wenn der Nasdaq nach +35 % am Hoch klebt, ist das Umfeld für neue Momentum-Einstiege einfach teuer. Das heißt nicht, dass KI „morgen crashen muss“ – es heißt, dass der Preis für weitere Rendite zunehmend eine spätere Normalisierung ist. Hannover Rück und Münchener Rück bieten hier einen nüchternen Gegenentwurf: starke Trends, spürbare Abkühlung, klare Verortung in Richtung fairer Bereiche. Meiner Meinung nach ist genau das aktuell die intelligentere Arbeit: weniger Hype, mehr Struktur – und Einstieg erst dann, wenn der Markt Bestätigung liefert.


Sowohl Hannover Rück als auch Münchener Rück konnten an den vorbereiteten Marken hervorragend reagieren. Gerade wenn ich Aktien auf dem Wochenchart aus der übergeordneten Situation heraus analysiere, ist der nächste Schritt immer der Blick auf den Stundenchart. Dort entscheidet sich, ob aus einer spannenden übergeordneten Verortung auch wirklich ein handelbarer Einstieg entsteht. Genau das war hier der Fall: Die Hannover Rück konnte aus der Korrektur heraus bereits mehr als 12 % zulegen, während die Münchener Rück mit knapp 18 % sogar noch etwas stärker reagierte. Nach solchen Bewegungen schadet es nicht, untergeordnet auch über erste Gewinnmitnahmen nachzudenken, selbst wenn die übergeordnete Struktur weiter interessant bleibt.
Sollten beide Aktien wider Erwarten noch einmal tiefer konsolidieren, bleiben die tieferen Unterstützungszonen aus den Charts weiterhin relevant. Für mich ist das zunächst ein gutes erstes Update zum Thema Handel aus der Korrektur. Besonders interessant ist dabei, dass beide Aktien zuletzt medial nicht besonders stark im Fokus standen. Genau dieses Muster sehe ich häufig: Aktien in intakten Trends, die gerade tief in einer Korrektur stehen, werden oft ignoriert, weil sie kurzfristig nicht spektakulär wirken. Dabei liegt genau dort häufig die eigentliche Chance – nicht im heißen Momentum, sondern in einem stabilen Trend, der gerade günstigere Preise anbietet.
Das ist für mich der Kern antizyklischer Denkweise im Impulshandel. Eine Korrektur ist nicht automatisch Schwäche, sondern kann die Vorbereitung auf den nächsten Impuls sein. Entscheidend ist, dass der übergeordnete Trend intakt bleibt und der Markt untergeordnet wieder Käufer zeigt. Genau deshalb möchte ich mich nicht nur auf medial heißgelaufene Titel stürzen, sondern gezielt nach Aktien suchen, die ruhig, stabil und sauber in eine attraktive Verortung zurücklaufen. Hannover Rück und Münchener Rück zeigen sehr gut, warum diese Vorgehensweise so wertvoll sein kann: Erst kommt die Korrektur, dann die Bestätigung – und erst daraus entsteht der eigentliche Vorteil.
Herzliche Grüße aus Berlin,
Dennis Gürtler.
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