

Im Tageschart zeigt Cisco Systems derzeit eine überwiegend seitwärtsgerichtete Entwicklung. Besonders auffällig ist das Verhalten an der Value Area High des vorherigen Quartals. Zunächst gelang der Aktie ein kurzfristiger Ausbruch, anschließend wurde dieser jedoch wieder vollständig zurückgenommen. Damit entstand ein klassisches Break-in-Szenario, bei dem der Markt nach einem zunächst erfolgreichen Breakout in den vorherigen fairen Preisbereich zurückfällt. Seitdem fehlt es Cisco an nachhaltigem Aufwärtsmomentum. Mehrere Ausbruchsversuche verliefen ähnlich: Die Aktie überwand kurzfristig technische Begrenzungen, konnte die höheren Kurse anschließend aber nicht halten. Aus meiner Perspektive liegt das Problem weniger in der jeweiligen Ausbruchsformation als vielmehr in der übergeordneten Verortung. Wer ausschließlich auf einzelne Chartformationen achtet, übersieht schnell, dass der Markt bereits deutlich zu weit gelaufen sein kann.
Zwischen 2019 und 2025 bewegte sich Cisco über weite Strecken in einem ausgedehnten Seitwärtsmarkt. Der wesentliche Preisbereich lag dabei ungefähr zwischen 36 und 60 USD. Für langfristig orientierte Anleger war diese Phase anspruchsvoll, weil trotz einzelner Aufwärtsbewegungen über Jahre hinweg kein nachhaltiger Trendimpuls entstand. Mit dem späteren Ausbruch veränderte sich die Situation deutlich. Die Aktie begann, einen Teil der zuvor ausgebliebenen Kursentwicklung innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit aufzuholen. Genau solche Bewegungen können nach langjährigen Konsolidierungen ausgesprochen dynamisch ausfallen. Allerdings entsteht dabei häufig ein neues Problem: Aus einer zunächst berechtigten Neubewertung entwickelt sich irgendwann eine technische Übertreibung. Bei Cisco ist dieser Punkt aus meiner Sicht inzwischen erreicht. Der vorherige Nachholbedarf erklärt die Rallye, rechtfertigt aber nicht automatisch jeden weiteren Kursanstieg.

Ein Blick auf den größeren Chart macht deutlich, weshalb ich Cisco momentan nicht als besonders attraktiven mittelfristigen Trendkandidaten betrachte. Nach dem Ausbruch aus der mehrjährigen Seitwärtsphase hat sich der Kurs erheblich von seinen längerfristigen gleitenden Durchschnitten entfernt. Damit handelt die Aktie in einer technisch anspruchsvollen Region. Ein vergleichbares Verhalten war zuletzt auch bei Gold zu beobachten: Auf eine längere Konsolidierung folgte ein außergewöhnlich dynamischer Ausbruch, bevor der Markt schließlich eine deutlich stärkere Normalisierung einleitete. Das bedeutet nicht, dass Cisco unmittelbar denselben Verlauf nehmen muss. Die zugrunde liegende Marktmechanik ist jedoch ähnlich. Nach einer starken Beschleunigung steigt das Risiko, dass der Kurs zunächst seitwärts konsolidiert oder wieder näher an seine langfristigen Durchschnittspreise zurückkehrt. Besonders für neue Long-Positionen ist diese Ausgangslage wenig überzeugend.
Für die kurzfristige und mittelfristige Einordnung nutze ich bei Cisco insbesondere das Volumenprofil auf Dreimonatsbasis. Die Value Area umfasst dabei rund 70 % des gehandelten Volumens und zeigt, in welchen Preisbereichen der Markt besonders viel Akzeptanz aufgebaut hat. Der gescheiterte Ausbruch über die vorherige Value Area High ist deshalb ein wichtiger Hinweis. Statt oberhalb dieser Begrenzung nachhaltig neue Käufer zu finden, fiel Cisco wieder in die vorherige Struktur zurück. Besonders kritisch wäre nun eine Erholung, die lediglich bis zur Value Area High des aktuellen Jahres reicht und dort erneut abgewiesen wird. Ein solcher Rücklauf könnte sich als klassischer Pullback nach einem Break-in erweisen. Dann wäre sogar eine stärkere Fortsetzung der Korrektur denkbar. Die aktuelle Seitwärtsphase ist deshalb nicht automatisch eine konstruktive Konsolidierung vor dem nächsten Ausbruch.
Kurzfristig bleibt insbesondere der Bereich um 99 USD interessant. Neben seiner psychologischen Bedeutung könnte dieses Kursniveau zunächst eine technische Reaktion ermöglichen. Auch einzelne Trendkanalbegrenzungen oder die Tages-EMA 200 kommen als mögliche Orientierungspunkte infrage. Allerdings muss zwischen einer kurzfristigen Gegenbewegung und einem strategisch attraktiven Einstieg unterschieden werden. Eine Aktie kann an einer Unterstützung mehrere Prozent steigen und anschließend trotzdem ihre übergeordnete Korrektur fortsetzen. Gerade bei Cisco halte ich dieses Risiko momentan für relevant. Ein nachhaltigerer mittelfristiger Vorteil würde aus meiner Sicht erst entstehen, wenn die Aktie ihre vorherige Überdehnung deutlicher abbaut und näher an relevante längerfristige Durchschnitts- und Volumenbereiche zurückkehrt. Bis dahin wären mögliche Stabilisierungen für mich eher taktische Reaktionen als überzeugende Trendfortsetzungen.

Wie groß der Unterschied zwischen starkem Momentum und einer guten Handelsverortung sein kann, zeigen frühere Situationen bei SAP und Microsoft. Beide Aktien waren besonders dann interessant, als sie innerhalb übergeordneter Aufwärtstrends deutlich korrigiert hatten und sich relevanten Unterstützungsbereichen näherten. Dort war die vorherige Überdehnung bereits zu einem erheblichen Teil abgebaut. Genau solche Konstellationen bevorzuge ich: ein grundsätzlich intakter Trend, eine tiefe Korrektur und anschließend eine nachvollziehbare untergeordnete Bestätigung. Bei Cisco liegt momentan eher die gegenteilige Situation vor. Der starke Impuls ist bereits gelaufen, mehrere Ausbrüche sind gescheitert und eine umfangreichere Normalisierung steht möglicherweise noch aus. Wer hier einem kurzfristigen Anstieg hinterherläuft, riskiert deshalb, aus einem ursprünglich geplanten Trade unfreiwillig eine mittel- oder langfristige Position machen zu müssen.
Cisco Systems ist nach der langen Seitwärtsphase dynamisch ausgebrochen, hat dabei aber inzwischen eine technisch anspruchsvolle Verortung erreicht. Die gescheiterten Ausbruchsversuche und das Break-in in die vorherige Value Area zeigen, dass die Käufer auf höheren Kursniveaus bislang keine nachhaltige Kontrolle etablieren konnten. Zwar bleiben kurzfristige Reaktionen im Bereich um 99 USD möglich, für eine attraktivere mittelfristige Long-Situation würde ich jedoch eine deutlichere Korrektur bevorzugen. Ein taktisch interessanter Beobachtungsbereich liegt außerdem um 115 USD, falls die Aktie diesen Preis erneut anläuft und dort eine erkennbare Reaktion ausbildet. Daraus entsteht allerdings noch keine automatische Kaufgelegenheit. Für mich überwiegt deshalb gegenwärtig die Zurückhaltung. Es gibt immer wieder Aktien, die innerhalb intakter Trends deutlich günstiger verortet sind. Genau dort möchte ich mein Risiko einsetzen, statt bei Cisco den möglicherweise letzten Prozentpunkten einer bereits weit fortgeschrittenen Bewegung hinterherzulaufen.
Herzliche Grüße aus Berlin,
Dennis Gürtler.
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