

Berkshire Hathaway steht wie kaum ein anderes Investment für den Mythos „Outperformance durch Genialität“. Gleichzeitig zeigt der Blick auf die letzten Jahre ein Bild, das viele Anleger irritiert: Seit 2024 wirkt Berkshire eher seitwärts, während der S&P 500 in vergleichbaren Zeiträumen deutlich dynamischer war. Für mich ist genau dieser Kontrast spannend, weil er eine unangenehme, aber wichtige Frage aufwirft: Geht es bei Berkshire heute noch um Outperformance – oder eher um ein anderes Profil (Stabilität, Struktur, Timing), das man korrekt einordnen muss, statt es automatisch als „besser“ zu etikettieren?
Bei Performance-Debatten ist der Klassiker immer derselbe: „Man kann sich Zeiträume so legen, dass die These passt.“ Das stimmt grundsätzlich, deshalb darf die Bewertung nicht auf einem einzigen Ausschnitt hängen. Trotzdem ist es legitim, sich die Zeitfenster anzusehen, die in der Praxis relevant sind: 10 bis 15 Jahre sind für viele Anleger bereits ein „langes“ Anlagefenster, selbst wenn es in der Theorie noch länger sein sollte. Meiner Meinung nach liegt genau hier der Kern des Problems: Wenn eine Outperformance in der jüngeren Historie nicht sichtbar ist, wird sie für viele real praktisch irrelevant – selbst dann, wenn sie in sehr langen Zeiträumen irgendwann statistisch wieder auftauchen könnte.
Der wichtigste strukturelle Unterschied liegt in der Anpassungsfähigkeit: Der S&P 500 ersetzt schwächere Branchen und Geschäftsmodelle über Zeit durch stärkere – und hat dadurch in den letzten Jahren immer mehr Tech-Exposure aufgebaut. Das ist keine „Meinung“, sondern ein Mechanismus: Index-Rebalancing sorgt dafür, dass Gewinner einen höheren Anteil bekommen und Verlierer an Gewicht verlieren oder herausfallen. Genau das kann im Ergebnis dazu führen, dass der S&P 500 als System eine Art eingebaute Erneuerung besitzt – während Berkshire als konzentrierteres Vehikel stärker davon abhängt, dass einzelne große Allokationen dauerhaft liefern.
Historisch war Berkshire in einer anderen Welt besonders stark: Versicherungsfloat als Kapitalhebel, weniger effiziente Märkte und deutlich größere Informationsvorteile bei kleineren, unterbewerteten Aktien. Heute ist das Umfeld anders. Je größer das verwaltete Kapital, desto schwieriger wird es, mit „kleinen“ Ideen einen großen Effekt zu erzeugen – selbst wenn diese Ideen gut sind. Aus meiner Perspektive ist das der zentrale Gegenwind: Der Mechanismus, der in früheren Jahrzehnten Outperformance begünstigt hat, ist in einem reiferen, transparenteren Markt schlicht schwerer reproduzierbar.
Natürlich könnte man Berkshire auch gegen den Nasdaq 100 stellen – dann wäre der Abstand in vielen Phasen noch größer, weil der Nasdaq techniklastiger ist. Der Haken: Tech-Konzentration bedeutet auch Klumpenrisiko, und bei Sektorrotationen kann diese Einseitigkeit schnell schmerzhaft werden. Genau deshalb ist der S&P 500 der fairere Maßstab: breiter, weniger extremes Sektorprofil, trotzdem modern genug, um strukturelle Gewinner stärker zu gewichten. Für mich ist das der saubere Vergleich, weil er nicht nur Rendite jagt, sondern auch die Robustheit des Vehikels berücksichtigt.
Die Theorie sagt: Langfristig halten, Schwankungen aussitzen, Zeit wirkt für dich. Die Praxis ist deutlich härter: Viele Anleger halten Positionen keine 10 oder 15 Jahre, sondern eher Monate oder wenige Jahre – aus psychologischen Gründen, Lebensereignissen, Timing-Fehlern oder schlicht Ungeduld. Genau hier kippt die Debatte: Selbst wenn Berkshire irgendwann über 30 Jahre wieder glänzen würde, hilft das wenig, wenn die Mehrheit diese Strecke real nicht durchhält. Aus meiner Perspektive ist das keine Belehrung, sondern ein Realitätscheck: Ein Produkt muss nicht nur „funktionieren“, sondern auch haltbar sein – psychologisch wie prozessual.
Warren Buffett bleibt eine Ausnahmefigur der Börsengeschichte, keine Frage. Nur ist das nicht automatisch gleichbedeutend mit Outperformance im Hier und Jetzt. Wer heute Berkshire kauft, sollte nicht aus Legendenlogik handeln, sondern aus einer klaren Erwartung: Welche Rolle soll Berkshire im Portfolio spielen – und warum nicht stattdessen ein S&P-500-ETF oder breiter ein MSCI World? Meiner Meinung nach ist genau diese Nüchternheit der richtige Schritt: Legenden respektieren, aber Entscheidungen auf aktuelle Struktur, Rebalancing-Mechanik und eigene Haltedauer ausrichten.
Herzliche Grüße aus Berlin,
Dennis Gürtler.
Diese Information wurde von Pepperstone GmbH bereitgestellt. CFD sind komplexe Instrumente und beinhalten wegen der Hebelwirkung ein hohes Risiko, schnell Geld zu verlieren. 73,9 % der Kleinanlegerkonten verlieren Geld beim CFD-Handel mit diesem Anbieter. Sie sollten überlegen, ob Sie verstehen, wie CFD funktionieren und ob Sie es sich leisten können, das hohe Risiko einzugehen, Ihr Geld zu verlieren. Diese Inhalte stellen keine unabhängige Finanzanalyse dar, sondern gehören zu unserer Werbemitteilung. Folglich sind die gesetzlichen und regulatorischen Bestimmungen, die sich auf unabhängige Finanzanalysen beziehen, nicht auf diese Website und unsere Kommunikation anwendbar. Diese Inhalte (unabhängig davon, ob sie Meinungen wiedergeben oder nicht) dienen nur der allgemeinen Information und berücksichtigen Ihre persönlichen Umstände oder Ziele nicht. Obwohl die in dieser Werbemitteilung enthaltenen Informationen aus Quellen, welche als verlässlich betrachtet werden können, bezogen wurden, gewährleisten weder Pepperstone noch der Autor die Richtigkeit oder Vollständigkeit dieser Informationen. Alle Informationen sind nur indikativ, können ohne vorherige Mitteilung abgeändert werden und können jederzeit veraltet sein. Weder Pepperstone noch der Autor übernehmen Haftung für Verluste. Informationen über die frühere Wertentwicklung eines Finanzinstruments lassen keine verlässliche Schlussfolgerung auf die zukünftige Entwicklung zu. Die Rendite kann infolge von Währungsschwankungen steigen oder fallen kann.