
Die ASML-Aktie bleibt aus meiner Perspektive in einer äußerst anspruchsvollen Verortung. Der Titel hat in den vergangenen Monaten eine enorme Bewegung vollzogen und notiert inzwischen wieder in einem Bereich, der aus statistischer Sicht klar überdehnt wirkt. Besonders wichtig sind dabei die volatilitätsbasierten Schwankungsbandbreiten. Sie zeigen, welche Ausdehnung eine Aktie historisch typischerweise vollzieht – und ASML arbeitet seit längerer Zeit auffällig stark an der oberen Seite dieser Bandbreite. Genau solche Phasen sehen auf den ersten Blick stark aus, sind aber häufig der Beginn einer späteren Normalisierung.

ASML hat solche Bewegungen bereits mehrfach gezeigt. Im Februar 2020 folgte nach einer längeren oberen Überdehnung eine Korrektur von rund 40 %. Im November 2021 entstand ebenfalls eine deutliche Normalisierung, zunächst mit rund 30 %, später in der Spitze mit etwa 40 bis 50 % Rückgang. Auch im Juli 2024 kam es nach einer ähnlichen Struktur zu einer ersten Korrektur von etwa 34 %, in der Spitze sogar bis rund 50 %. Diese Beispiele sind keine Garantie für den aktuellen Verlauf, aber sie zeigen, dass tiefe Rückläufe bei ASML nach extremen Ausdehnungen nichts Ungewöhnliches sind.
Bei ASML lässt sich dieses Muster immer wieder beobachten: Die Aktie attackiert über längere Zeit die obere statistische Bandbreite, wirkt stabil, zieht weitere Käufer an – und irgendwann folgt relativ dynamisch der Rücklauf zur Gegenseite. Man kann es vereinfacht so formulieren: Ein Markt spielt selten dauerhaft nur eine Seite. Wenn die obere Ausdehnung über Wochen oder Monate ausgereizt wird, steigt das Risiko, dass später auch die untere Bandbreite wieder angelaufen wird. Für mich ist genau das der entscheidende Punkt: Die Aktie muss nicht sofort fallen, aber die Wahrscheinlichkeit einer größeren Korrektur nimmt mit jeder weiteren Überdehnung zu.

Zusätzlich zur statistischen Überdehnung wirkt auch die Value-Area-Struktur nicht mehr sauber konstruktiv. ASML hat zwar einen Breakout über relevante faire Preisbereiche gezeigt, fällt nun aber potenziell wieder in diese Value-Struktur zurück. Genau daraus entsteht ein mögliches Break-in-Szenario. Der Markt verlässt zunächst den fairen Preisbereich, schafft oberhalb davon aber keine nachhaltige Akzeptanz und handelt anschließend wieder zurück in die alte Value. Meiner Meinung nach ist das für Trendfolger eine gefährliche Konstellation, weil der Chart kurzfristig noch stark aussehen kann, während das größere Bild bereits eine Rückkehr in fairere Zonen vorbereitet.

Der Vergleich mit SAP macht die Logik klarer. Dort war die Aktie tief in der Korrektur, nahe der unteren Ausdehnung und innerhalb einer deutlich attraktiveren Verortung. Genau solche Situationen sind für mich spannender: Ein starker Wert fällt in eine übergeordnete Korrekturzone, bildet dort Stabilisierung aus und startet anschließend einen neuen Impuls. Bei ASML liegt aktuell eher das Gegenteil vor. Die Aktie handelt nach einem Anstieg von rund 240 bis 250 % deutlich außerhalb ihrer normalen Struktur. Das macht neue trendfortsetzende Long-Positionen nicht unmöglich, aber klar anfälliger und spekulativer.

Sollte die Normalisierung weiterlaufen, rücken mehrere technische Bereiche in den Fokus. Ein erstes wichtiges Niveau liegt im Bereich um 1.177 €, also grob bei 1.180 €. Darunter wird der Bereich der Value Area Low des aktuellen Jahres relevant. Zusätzlich liefert der volumengewichtete Durchschnitt auf Schlusskursbasis eine Orientierung um 1.028 €. Aus mittelfristiger Sicht ergibt sich damit eine realistische Korrekturzone zwischen etwa 1.180 € und 1.070 €. Das ist kein Crash-Szenario, sondern zunächst eine normale Antwort auf die vorherige Überdehnung.
Ein noch tieferes Szenario bis in Richtung 850 € lässt sich zwar technisch nicht vollständig ausschließen, steht für mich aber zunächst nicht im Vordergrund. Wichtiger ist die realistischere mittelfristige Verortung über die genannten Zonen. Besonders relevant bleibt die High Volume Node in Verbindung mit der Value Area High aus 2024, weil dort größere Marktakzeptanz entstanden ist. So ordne ich das aktuell ein: ASML bleibt auf meiner eher shortlastigen Beobachtungsliste. Alternativ kann man die Aktie auch einfach nicht shorten, sondern abwarten, bis eine tiefere Korrektur wieder attraktive Long-Zonen liefert. Beides ist sinnvoller, als oben in eine überdehnte Trendfortsetzung hineinzukaufen.
Herzliche Grüße aus Berlin,
Dennis Gürtler.
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