

Bei Microsoft war die Ausgangslage zuletzt relativ klar. Im Bereich von rund 390 bis 400 USD war die Aktie innerhalb des übergeordneten Trends tief und attraktiv verortet. Genau dort entstehen aus meiner Perspektive die besseren Long-Situationen: nicht oben am Hoch, sondern tief in der Korrektur, wenn der Markt vorher Schwäche simuliert und anschließend wieder Käuferkontrolle zeigt. Typisch sind dabei kurze Brüche unter vorherige Tiefs, die häufig als Trapped Sellers-Formationen wirken. Privatanleger werden in solchen Bereichen oft als Exit-Liquidität genutzt, während institutionelle Marktteilnehmer genau dort günstiger Position beziehen können.
Microsoft konnte inzwischen den fairen Preisbereich des letzten Jahres zurückerobern. Dieser liegt grob zwischen 410 und 550 USD. Das ist technisch wichtig, weil der Markt damit wieder in eine Zone zurückgekehrt ist, in der zuvor viel Volumen und damit breite Preisakzeptanz entstanden ist. Aus dieser Perspektive ist ein erneuter Test der Jahreshochs beziehungsweise der Value Area High des letzten Jahres durchaus plausibel. Gleichzeitig sollte man nicht übersehen, dass die Aktie nach der Erholung bereits wieder deutlich Strecke gemacht hat. Ein prozyklischer Kauf weit oben ist deshalb für mich nicht besonders attraktiv.
Ein weiterer Impuls in Richtung der oberen Trendkanallinie bei rund 620 USD ist nicht ausgeschlossen. Dafür müsste allerdings noch einmal sehr starkes Momentum entstehen. Meine Aufgabe als Händler ist es aber nicht, solche Bewegungen blind zu prognostizieren. Entscheidend ist, wo professionelle Reaktionszonen liegen. Bei Microsoft wären neue Long-Situationen vor allem dann interessant, wenn die Aktie noch einmal in Richtung 460 bis 440 USD korrigiert. Dort könnten das Momentumband oder eine relevante Neigungslinie wieder ins Spiel kommen. Kommt dieser Rücklauf nicht, muss ich auch nicht handeln. Gute Trades entstehen nicht durch Aktivität, sondern durch passende Bedingungen.
Vom Tief bis zum Hoch lag die Bewegung bei Microsoft bei rund 54 %. In der praktischen Handelsbetrachtung sollte man solche Bewegungen aber realistischer einordnen. Niemand kauft exakt das Tief und verkauft exakt das Hoch. Deshalb ist es sinnvoll, oben und unten gedanklich Spielraum abzuziehen. Aus einer theoretischen Bewegung von gut 50 % wird dann in einer realistischeren Handelsbetrachtung eher ein Gewinnpotenzial von rund 30 %. Das ist immer noch sehr ordentlich. Entscheidend ist aber, dass dieser Vorteil vor allem dort entsteht, wo man tief in der Korrektur handelt – nicht spät im Impuls.

Bei Nvidia sieht die Lage anders aus. Die erwartete Korrektur kam nur teilweise. Die Aktie stand zwischenzeitlich im Bereich um 210 bis 220 USD etwas unter Druck, wirklich dynamisch wurde die Korrektur aber nicht. Gleichzeitig hat sich der Kurs trotz Allzeithoch nicht massiv nach oben abgesetzt. Bewegungen von 5 % nach oben oder unten sind bei einem solchen Titel nicht wirklich entscheidend. Aus meiner Perspektive wurde das erwartete Korrekturszenario damit nur mittelmäßig erfüllt. Nvidia bleibt zwar einer der stärksten Profiteure der KI-Story, aber genau deshalb ist die Aktie aus Bewertungssicht weiterhin anspruchsvoll.
Mehrere Perspektiven zeigen, dass Nvidia aktuell teuer ist. Der faire Preisbereich des aktuellen Jahres liegt grob zwischen 170 und 210 USD. Wenn rund 70 % des Volumens in diesem Bereich gehandelt wurden, der Markt aber darüber notiert, dann handelt die Aktie außerhalb ihrer fairen volumengewichteten Bewertung. Auch auf Basis des vorherigen Jahres wirkt Nvidia teuer. Hinzu kommt der Abstand zu den gleitenden Durchschnitten. Natürlich kann eine starke Aktie weiter steigen, aber nach derartigen Bewegungen steigt auch das Risiko, genau in dem Moment einzusteigen, in dem die überfällige Korrektur beginnt. Deshalb bleibe ich hier mittelfristig eher zurückhaltend.
Microsoft wirkt für das letzte Quartal konstruktiver, weil die Aktie den wichtigen Rücklauf bereits geliefert und den fairen Preisbereich des Vorjahres zurückerobert hat. Neue Chancen sehe ich dort vor allem bei Rückläufen in Richtung 460 bis 440 USD. Nvidia bleibt dagegen fundamental extrem stark, ist mir mittelfristig aber weiterhin zu teuer. Shorten würde ich die Aktie aufgrund ihrer Rolle als zentraler Profiteur der KI-Story nicht. Für neue mittelfristige Long-Überlegungen möchte ich jedoch mindestens den Bereich um 180 USD sehen. Dort treffen Value Area Low, Point of Control des Vorjahres und volumengewichtete Durchschnittsbereiche zusammen. Bis dahin ist die Seitenlinie für mich kein Zeichen von Schwäche, sondern professionelle Selektion.
Herzliche Grüße aus Berlin,
Dennis Gürtler.
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