

Bei Alphabet beziehungsweise Google bleibt die zentrale Story weiterhin stark: KI, Cloud und das Suchgeschäft wachsen, gleichzeitig steigen aber auch die Investitionen massiv an. Genau diese Mischung prägt aktuell das Bild der Aktie. Fundamental bleibt Google ein extrem relevantes Unternehmen, doch der Kurs kommt im Tageschart nicht mehr wirklich voran. Aus meiner Perspektive ist das nicht überraschend. Nach einer sehr starken Aufwärtsphase braucht selbst eine Aktie mit hervorragender Marktstellung irgendwann Zeit, um die vorherige Bewegung zu verarbeiten.
Der aktuelle faire Preisbereich des Jahres liegt grob zwischen 300 und 360 USD. Dieser Bereich basiert auf dem gehandelten Volumen und damit auf dem Markt selbst. Alphabet pendelt derzeit immer wieder zwischen Value Area Low und Value Area High des aktuellen Jahres. Besonders auffällig ist der Bereich um den Point of Control bei rund 340 USD. Dort wird sichtbar, dass der Markt aktuell keine klare Richtung findet. Die Aktie ist nicht schwach genug für einen klaren Abverkauf, aber auch nicht stark genug, um direkt den nächsten großen Impuls auf der Oberseite zu starten.
Im Wochenchart wird die Ausgangslage deutlicher. Alphabet hat seit Mitte 2025 rund 200 % zugelegt und seit Anfang 2023 sogar ungefähr 400 %. Nach solchen Bewegungen ist eine Phase der Stagnation oder Korrektur völlig normal. Meiner Meinung nach ist genau das der Punkt, den viele Anleger unterschätzen: Eine starke Aktie muss nicht sofort weiter steigen, nur weil die Story weiterhin überzeugend klingt. Enorme Kursgewinne hinterlassen Spuren. Irgendwann braucht der Markt eine Phase, in der Bewertung, Erwartungen und reale Geschäftsentwicklung wieder zueinanderfinden.
Nur weil es Google ist, bedeutet das nicht, dass stärkere Rückläufe ausgeschlossen sind. In der Vergangenheit waren auch bei großen Qualitätsaktien Korrekturen von 40 bis 50 % möglich. Das zeigte sich beispielsweise in der Phase von November 2021 bis November 2022. Aus heutiger Sicht wäre ein tieferer Rücklauf in Richtung der unteren Trendkanalbereiche daher kein außergewöhnliches Ereignis, sondern Teil eines normalen Marktverhaltens nach einer starken Rallye. Wer mittelfristig denkt, sollte solche Szenarien nicht ausblenden. Der Markt kann länger stark bleiben, aber er korrigiert Überdehnungen früher oder später fast immer.

Kurzfristig bleibt zunächst die Value Area Low des aktuellen Jahres entscheidend. Dort erwarte ich zumindest eine mögliche erste Reaktion, falls Alphabet weiter nachgibt. Diese Zone eignet sich eher für kurzfristige Reversal-Überlegungen, etwa im Stundenchart, sofern dort untergeordnet eine saubere Bodenbildung sichtbar wird. Wichtig bleibt aber: Ein Level allein ist kein Kaufargument. Erst wenn der Markt dort wirklich reagiert, Absorption zeigt oder Käufer sichtbar zurückkommen, entsteht ein handelbares Setup. Ohne diese Bestätigung bleibt auch eine gute Unterstützungszone nur eine vorbereitete Verortung.
Sollte die Aktie deutlicher korrigieren, rückt der Bereich zwischen 260 und 240 USD in den Fokus. Dort liegen weitere relevante Volumenschwerpunkte aus dem größeren Impuls. Diese Zone wäre deutlich interessanter als die erste kurzfristige Reaktionsmarke, weil der Kurs dann schon spürbar mehr Überdehnung abgebaut hätte. Gleichzeitig wäre auch hier entscheidend, ob Alphabet untergeordnet eine echte Stabilisierung ausbildet. So ordne ich das aktuell ein: Je höher die Reaktionszone liegt, desto kurzfristiger ist das Setup. Je tiefer die Aktie korrigiert, desto interessanter wird sie wieder für mittelfristige oder längerfristige Überlegungen.
Aus der mittel- bis langfristigen Perspektive bleibt sogar ein Rücklauf in Richtung 200 USD denkbar, wo die untere Trendkanalstruktur wieder stärker ins Spiel käme. Wichtig ist dabei: Ein Unterschreiten einer Neigungslinie bedeutet nicht automatisch, dass der langfristige Trend zerstört ist. Im Gegenteil, eine tiefere Korrektur kann in einem übergeordnet starken Wert sogar die deutlich bessere Basis für neue Trendpositionen schaffen. Alphabet bleibt damit ein starker Titel, aber aktuell nicht an jedem Preis gleich attraktiv. Geduld wird wichtiger als Euphorie.
Herzliche Grüße aus Berlin,
Dennis Gürtler.
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