
Am 28. und 29. Oktober steht eine außergewöhnlich dichte Folge wichtiger Wirtschaftstermine im Fokus. Neben den Zinsentscheidungen der kanadischen Notenbank, der US-Notenbank Fed und der EZB rücken insbesondere die FOMC-Pressekonferenz, der PCE-Preisindex, das US-Bruttoinlandsprodukt und die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den Mittelpunkt der Marktbeobachtung. Die genaue Veröffentlichungstaktung verdient dabei besondere Aufmerksamkeit, auch aufgrund der unterschiedlichen Zeitumstellungen in Europa und den USA. Bereits im Vorfeld zeigt sich der Markt vergleichsweise zurückhaltend. Besonders beim Dow Jones fällt die zuletzt geringere kurzfristige Schwankungsintensität auf. Ob daraus tatsächlich eine deutliche Volatilitätsausweitung entsteht, bleibt offen. Die bevorstehenden Termine schaffen jedenfalls ein Umfeld, in dem schnelle und ausgeprägte Kursbewegungen möglich sind.
Im FDAX dominiert seit September eine vergleichsweise ausgeglichene Marktstruktur. Die Volumenprofile von September und Oktober zeigen, dass sich der Index überwiegend innerhalb seiner jeweiligen fairen Preisbereiche bewegt. Dabei pendelt der Markt regelmäßig zwischen Value Area High und Value Area Low, ohne bislang eine nachhaltige Trendbewegung zu etablieren. Genau deshalb sind klassische Trendfolgeansätze momentan weniger attraktiv. Zwar entstehen immer wieder kurzfristige Impulse, diese werden jedoch häufig innerhalb der bestehenden Handelsspanne wieder zurückgenommen. Aus meiner Perspektive ist die aktuelle Marktphase deshalb vor allem eine Frage der richtigen Verortung. Solange Käufer und Verkäufer innerhalb der etablierten Value Areas weitgehend im Gleichgewicht bleiben, bieten die äußeren Begrenzungen der Struktur häufig interessantere Ausgangslagen als Positionierungen mitten im fairen Preisbereich.

Für die Vorbereitung auf die kommenden Handelstage kombiniere ich die Value Area des laufenden Monats mit jener des Vormonats September. Dadurch lassen sich mehrere wichtige Referenzbereiche ableiten, an denen der FDAX in der Vergangenheit wiederholt reagiert hat. Besonders interessant sind die oberen Begrenzungen der fairen Preisbereiche sowie die Zonen unterhalb der aktuellen Value Area Low. Während die Mitte dieser Struktur überwiegend durch hohe Preisakzeptanz geprägt ist, entstehen außerhalb der Value Areas zunehmend unfaire Preisbereiche. Genau dort suche ich bevorzugt nach möglichen Gegenbewegungen. Entscheidend ist, dass diese Handelszonen nicht willkürlich aus einzelnen Hoch- oder Tiefpunkten entstehen, sondern auf tatsächlich gehandeltem Volumen basieren. Sie beschreiben damit zunächst Bereiche erhöhter Aufmerksamkeit und keine verbindlichen Kursziele.
Das Gegenstück bilden die tieferen Kursbereiche unterhalb der Value Area Low des aktuellen Monats. Sollte der FDAX infolge der Wirtschaftsnachrichten deutlich nachgeben, wären diese unteren Extrembereiche für mich besonders interessant. Dort könnte ein kurzfristiger Verkaufsimpuls auf eine Zone treffen, in der der Markt zuvor wiederholt Käuferinteresse gezeigt hat. Allerdings gilt auch hier: Eine Unterstützung wird nicht allein dadurch handelbar, dass der Kurs sie erreicht. Ich möchte zunächst sehen, ob Verkaufsdruck absorbiert wird und anschließend eine erkennbare Stabilisierung entsteht. Besonders relevant wären beispielsweise Absorption, auffällige Iceberg Orders oder eine untergeordnete Umkehrstruktur. Erst wenn der Markt diese Reaktion tatsächlich zeigt, entsteht aus der vorbereiteten Zone ein mögliches Long-Setup. Ob die Bewegung durch positive oder negative Konjunkturdaten ausgelöst wird, ist für diese technische Vorgehensweise zunächst zweitrangig.
Gerade an Tagen mit wichtigen Notenbankentscheidungen und Konjunkturdaten ist die Unterscheidung zwischen Vorbereitung und Ausführung entscheidend. Die übergeordneten Volumenprofile definieren zunächst das Handelsspielfeld. Sobald der FDAX eine relevante Begrenzung erreicht, verlagere ich den Fokus auf den 10- oder 15-Minuten-Chart. Dort geht es um die konkrete Frage, ob sich tatsächlich eine handelbare Reaktion entwickelt. Ein schneller Anstieg in eine Widerstandszone kann ebenso scheitern wie ein dynamischer Abverkauf unter eine vorherige Unterstützung. Beide Bewegungen können Liquidität aufnehmen, bevor der Markt wieder in seinen fairen Preisbereich zurückkehrt. Größere Marktteilnehmer berücksichtigen bei ihrer Ausführung neben der Marktrichtung auch Liquidität und mögliche Auswirkungen ihrer Orders auf den Preis. Deshalb ist es sinnvoll, nicht ausschließlich über steigende oder fallende Kurse nachzudenken, sondern auch darüber, an welchen Stellen sich relevante Handelsaktivität entwickeln könnte.
Die kommenden Handelstage könnten dem FDAX erheblich mehr Bewegung bringen als die bisherige Seitwärtsphase. Trotzdem sehe ich keinen Vorteil darin, den Ausgang der Fed- oder EZB-Entscheidungen im Vorfeld prognostizieren zu wollen. Meine Vorbereitung konzentriert sich auf die etablierten Value Areas von September und Oktober und deren äußere Begrenzungen. Oberhalb der aktuellen Struktur bleibt insbesondere der Bereich um 25.800 Punkte für mögliche Short-Reversals interessant. Auf der Unterseite stehen Rückläufe unter die Value Area Low im Fokus möglicher Long-Situationen. Ob der Markt zuerst steigt und anschließend fällt oder zunächst eine deutliche Abwärtsbewegung zeigt, ist dabei nicht entscheidend. Ich möchte vorbereitet sein, wenn relevante Preisbereiche erreicht werden, und erst dann handeln, wenn die untergeordnete Marktstruktur eine entsprechende Bestätigung liefert. Genau diese Trennung zwischen Prognose, Vorbereitung und tatsächlichem Trade bleibt für mich der wesentliche Bestandteil eines professionellen Handelsprozesses.
Herzliche Grüße aus Berlin,
Dennis Gürtler.
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