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EUEURCoronavirus

EZB: Lagarde und das Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP)

02.06.2020
Vor dem Hintergrund der Corona Pandemie erwarten Experten, dass die EZB zu anderen Zentralbanken auf der ganzen Welt aufschließen wird indem sie eine Aufstockung ihres Corona Notprogramms (PEPP) um 500 Milliarden Euro ankündigt.

Der Zeitplan

Die Frist zur Umsetzung dieses Programmes wird wahrscheinlich bis Mitte 2021 andauern. Die Kernfrage wird sein, ob diese Maßnahmen ausreichen werden um die Märkte zu beruhigen. Die Hoffnung ist, dass durch die Maßnahmen der EZB und der EU-Konjunkturfonds die nächste existenzielle Krise in der Eurozone abgewendet werden kann.

Neue Wirtschaftsprognosen

Im April präsentierte drei mögliche Szenarien für die Wirtschaftsentwicklung in der Eurozone. Das diesjährige Wirtschaftswachstum könnte demnach zwischen einem Wert von fünf bis zwölf Prozent schrumpfen, abhängig vom Erfolg der Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus. Letzte Woche bemerkte Präsident Lagarde jedoch, dass die lang erwarteten, von neuen Mitarbeitern erstellten makroökonomischen Projektionen wahrscheinlich zwischen dem mittleren und dem schweren Szenario liegen würden. Zum Vergleich: Die Europäische Kommission hatte in ihrer Annahme einen Rückgang der Wirtschaftsleistung in 2020 um 7,7% zu Grunde gelegt. Es liegt in der Natur der Sache das die Auswirkungen auf die Wirtschaft umso stärker sind , je strenger die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus durchgeführt werden.

Inflationsprognosen werden zukünftig besonders in den Vordergrund rücken, da die jüngsten mittelfristigen Projektionen vom März zeigten, dass die EZB nach wie vor mit einer allmählichen Beschleunigung der Preise rechnet. Angebotsverzerrungen und ein schwächerer Marktwettbewerb mögen diese Sichtweise unterstützt haben, aber die zunehmende Arbeitslosigkeit und die sich ausweitende Produktionslücke dürften erhebliche Korrekturen nach unten erfahren.

Erhöhung des PEPP-Umfangs erforderlich

Die Schlüsselfrage für Lagarde wird sein, um wie viel die EZB ihr Programm zum Ankauf von Anleihen oder ihr Pandemie-Notkaufprogramm (PEPP) erhöhen sollte, da es bei der derzeitigen Nutzungsrate wahrscheinlich bis Oktober erschöpft sein wird. Wie allgemein erwartet, hat die EZB ihre Käufe vorzeitig getätigt, um die Volatilität und die finanzielle Fragmentierung in bestimmten Ländern des Euroraums einzudämmen. Dies hat sich in der Tat länger als prognostiziert fortgesetzt, so dass die Märkte erwarten, dass Lagarde dies in Angriff nehmen wird, um eine Verschärfung der finanziellen Bedingungen und eine Überprüfung der Niveaus ab Mitte März zu vermeiden.

Will die noch relativ neue Präsidentin ungerechtfertigte Spekulationen an den Märkten fördern, wenn es keine Erhöhung des PEPP gibt und dieser fast aufgebraucht ist? Es wäre ein Schock, wenn Lagarde nicht mit der Erzählung einer zunehmenden Wachsamkeit und Handlungsbereitschaft spielt, vor allem nach ihrem anfänglichen Fauxpas in ihrer ersten Pressekonferenz.

Keine Auswirkungen des deutschen Gerichtsurteils, Unterstützung für den Recovery Fund

Erschwerend kommt das Urteil des deutschen Bundesverfassungsgerichts vom Mai hinzu, das die Teilnahme der Bundesbank an einigen QE-Programmen der EZB effektiv einschränkt. Das Gericht hat eigentlich nicht über PEPP entschieden, sondern nur über das normale Asset Purchase Program (APP), das ein kleines monatliches Volumen von etwa 20 Milliarden Euro hat und von dem nur deutsche Staatsanleihen betroffen sind. Als die Führungsperson, die sie ist, wird Lagarde wahrscheinlich einen Weg finden, die deutschen Forderungen offen zu halten, ohne jedoch die Unabhängigkeit der EZB zu beeinträchtigen oder den Konflikt zu schüren. Was den vorgeschlagenen EU-Konjunkturfonds betrifft, so wird die EZB die Ambitionen der Europäischen Kommission begrüßen und gleichzeitig auf die Gefahr divergierender Tendenzen innerhalb der Währungsunion hinweisen.

Aus den jüngsten Kommentaren von EZB-Mitgliedern geht hervor, dass sich die EZB jetzt im Modus der präventiven Lockerung befindet, um eine Fragmentierung des Finanzsystems zu verhindern. Angesichts des gestiegenen Vertrauens in die Weltwirtschaft sollte die EZB mehr tun und mehr leisten, um die Beseitigung jeglichen Macro-Risiken weiter zu festigen. Erwartungsvolle Märkte und erneuter Optimismus über die "EU der nächsten Generation" haben den Euro aus seiner jüngsten Bandbreite ansteigen lassen. Der Fokus liegt im Euro nun auf den Höchstständen des März 2020.

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