

Der kurzfristige Ausbruch über die Value Area High der letzten drei Monate – Oktober, November und Dezember – konnte nicht bestätigt werden. Gerade an Allzeithochs wäre eigentlich eine dynamische, prozyklische Anschlussbewegung zu erwarten gewesen. Stattdessen wurde das Momentum frühzeitig absorbiert. In dem Moment, in dem der Kurs zurück in die alte Verteilungszone lief, nahm die Abwärtsdynamik spürbar zu. Das ist ein klassisches Warnsignal und spricht dafür, dass größere Marktteilnehmer diesen Ausbruch nicht getragen, sondern aktiv verkauft haben.
Mit dem Rückfall in die Value Area High beziehungsweise Low des vorherigen Quartals hat Tesla wieder den Bereich erreicht, in dem der Markt den Preis als „fair“ akzeptiert. Das zugrunde liegende Volumenprofil ist nahezu ausgeglichen, ein typisches D-Profil. Solche Strukturen begünstigen keine nachhaltigen Trends, sondern vielmehr Mean-Reversion-Bewegungen. Ausbrüche nach oben oder unten werden häufig neutralisiert, der Markt kehrt in die Range zurück und neigt dazu, diese auf der Gegenseite sogar zu überschießen. Genau dieses Verhalten war hier zu beobachten und ist zentral für das weitere Vorgehen.
Das erste relevante Szenario ergibt sich auf der Oberseite. Sollte der Markt aus der aktuellen Schwäche heraus einen technischen Rücklauf vollziehen und in den Bereich der ehemaligen Unterstützung laufen, die nun als Widerstand fungiert, wird dieser Bereich hochinteressant. Konkret liegt diese Zone im Bereich von etwa 455 bis 460 US-Dollar. Entwickelt der Kurs dort sichtbar Schwäche, etwa durch fehlende Anschlusskäufe oder klare Umkehrsignale, wäre ein Short-Setup aus struktureller Sicht sauber. Wichtig ist dabei, dass dieses Szenario zeitnah greift. Ein zögerlicher oder kraftloser Rücklauf erhöht das Risiko, dass der Markt stattdessen wieder in eine Trendfortsetzung übergeht.
Die alternative Perspektive liegt deutlich tiefer. Sollte Tesla weiter durchgereicht werden und klar unter die Value Area Low des vorherigen Quartals fallen, verschiebt sich der Fokus auf die Unterseite. Im Bereich von rund 400 bis 390 US-Dollar entsteht dann eine Zone, in der ein antizyklisches Long-Setup denkbar wird. Idealerweise geht diesem Bereich ein kurzer Stop-Run voraus, bei dem schwache Hände aus dem Markt gedrückt werden. Erst wenn sich dort eine erkennbare Stabilisierung zeigt, kann aus dieser Überdehnung heraus wieder eine Rückbewegung in Richtung der alten Range erfolgen.
Entscheidend ist, dass beide Szenarien strikt voneinander getrennt betrachtet werden. Das Short-Setup lebt von unmittelbarer Schwäche am Widerstand, das Long-Setup von einer klaren Übertreibung auf der Unterseite. Kommt zunächst das Long-Szenario und der Markt dreht von unten kraftvoll nach oben, ist ein späteres Short-Engagement deutlich riskanter. In diesem Fall wäre Vorsicht geboten, da sich daraus auch ein neuer, trendfortsetzender Impuls entwickeln kann. Die aktuelle Struktur verlangt daher Disziplin und Geduld – nicht Prognose, sondern Reaktion auf das, was der Markt tatsächlich zeigt.
Herzliche Grüße aus Berlin,
Dennis Gürtler.
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