

SAP rückt aus aktuellem Anlass wieder in den Fokus, nachdem die Aktie aus einer sehr attraktiven Korrekturzone heraus einen starken Impuls gestartet hat. Entscheidend war dabei nicht, dass der Markt kurzfristig schwach aussah, sondern wo diese Schwäche stattfand. Die Aktie war zuvor deutlich unter die langfristige Trendkanallinie gefallen, die sich seit der Subprime-Krise 2008 entwickelt und über viele Jahre als robuste Orientierung bewährt hat. Aus meiner Perspektive war genau diese Verortung wichtig: Keine Panik am Tief, sondern die Frage, ob dort eine saubere Umkehr entstehen kann.
SAP hatte zuvor einen Anstieg von über 260 % hinter sich. Wenn nach einer solchen Bewegung eine Korrektur von rund 55 % entsteht, klingt das im ersten Moment dramatisch, ist aber im Verhältnis zur vorherigen Aufwärtsbewegung nicht ungewöhnlich. Im Gegenteil: Solche Rückläufe können innerhalb langfristig stabiler Trends sogar notwendig sein, um wieder attraktivere Preisbereiche zu schaffen. Besonders spannend war der Bereich um 133 €, weil dort die Aktie deutlich günstiger verortet war als in den vorherigen Übertreibungsphasen. Genau dort entstehen aus meiner Sicht die besseren Chancen – nicht oben im Impuls, sondern tief in der Korrektur.
Ausgehend aus dieser tiefen Korrektur konnte SAP anschließend einen starken Aufwärtsimpuls ausbilden. Die Aktie lief deutlich nach oben und zeigte damit, dass die vorherige Schwäche nicht zwangsläufig ein langfristiger Strukturbruch war. Wer frühzeitig in dieser Zone auf Stabilisierung geachtet hat, konnte sich einen deutlichen preislichen Puffer erarbeiten. Genau das ist im Trading entscheidend: Früh in einer guten Zone zu handeln, schafft Raum. Spät nach einem starken Impuls einzusteigen, erhöht dagegen sofort das Risiko, in eine normale Zwischenkorrektur hineingezogen zu werden.

Im Stundenchart wurde die Struktur besonders sauber sichtbar. SAP bildete dort eine Formation mit Trapped Sellers aus – also Marktteilnehmern, die auf der Unterseite in eine schwache Bewegung hineingezogen wurden und anschließend auf dem falschen Fuß standen. Bricht der Markt danach auf der Gegenseite aus, entsteht häufig eine dynamische Bewegung, weil diese Short-Positionen geschlossen werden müssen. Das erzeugt eine Art Stop-Loss-Kaskade und erklärt, warum solche Umkehrbewegungen häufig deutlich impulsiver verlaufen als normale Erholungen. Dieses Muster ist nicht nur im Stundenchart relevant, sondern lässt sich auch in kleineren Zeiteinheiten immer wieder beobachten.

Nach dem starken Anstieg stellt sich natürlich die Frage, ob man jetzt noch einsteigen kann. Genau hier muss die Perspektive gewechselt werden. Kurzfristig ist SAP nach einem Anstieg von rund 34 % nicht mehr günstig. Wer jetzt am oberen Ende des Impulses kauft, muss einkalkulieren, dass eine normale Zwischenkorrektur schnell unangenehm werden kann. Ein Rücklauf von 172 € in Richtung 148 € wäre prozentual bereits spürbar und aus technischer Sicht keineswegs ausgeschlossen. Meiner Meinung nach ist das aktuell kein Markt, den man blind hinterherkaufen sollte, sondern ein Titel, bei dem man geduldig auf neue Rücklaufzonen wartet.
Für neue kurzfristige Long-Setups werden vor allem die Bereiche um 156 € bis 150 € interessant. Dort liegen wichtige Referenzen wie der Anchored VWAP auf Schlusskursbasis sowie die Value Area Low. Diese Zonen können innerhalb einer Korrektur wieder relevant werden, weil sie den faireren Durchschnittspreis des laufenden Impulses abbilden. Entscheidend bleibt aber auch hier: Der Rücklauf allein reicht nicht. Erst wenn SAP dort untergeordnet wieder Stabilisierung, Absorption oder erneut Trapped Sellers ausbildet, entsteht ein handelbares Setup. Für mich wäre das der früheste Bereich, um wieder nach Umkehrsignalen Ausschau zu halten.

Zusätzlich sollte der DAX-Kontext nicht ignoriert werden. Der FDAX handelt aktuell nahe dem Allzeithoch und ist damit kurzfristig ebenfalls nicht günstig verortet. Natürlich kann ein solcher Markt noch weiter nach oben laufen, aber das Chancen-Risiko-Verhältnis wird dort zunehmend anspruchsvoller. Wenn man am oberen Rand hineingezogen wird, kann eine schnelle Korrektur im DAX auch einmal 1.000 Punkte bedeuten. Genau deshalb halte ich mich bei neuen Long-Positionen aktuell eher zurück. SAP bleibt interessant, aber nicht um jeden Preis. Spannend wird die Aktie erst wieder, wenn sie in faire Rücklaufzonen kommt und dort ein sauberes Umkehrsignal liefert.
Herzliche Grüße aus Berlin,
Dennis Gürtler.
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