

Rocket Lab ist einer der wenigen börsennotierten Wege, um überhaupt an der kommerziellen Raumfahrt zu partizipieren, solange SpaceX privat bleibt und ein IPO nur als Möglichkeit im Raum steht. Genau diese Knappheit erzeugt Nachfrage – und macht den Titel aktuell so „geladen“. Gleichzeitig gilt: Je stärker der Trend läuft, desto disziplinierter muss man ihn lesen, weil die teuersten Fehler meist genau dann passieren, wenn ein Allzeithoch wie ein Selbstläufer aussieht.
Der Reiz entsteht nicht nur aus der SpaceX-Lücke, sondern auch aus dem Bild eines Unternehmens, das sich Schritt für Schritt vom reinen Raketenanbieter in Richtung integrierter Raumfahrtplattform bewegt. Das erklärt, warum Momentum-Kapital hier so schnell „klebt“. Aus meiner Perspektive ist genau diese Mischung gefährlich und attraktiv zugleich: attraktiv, weil die Trendstruktur sauber ist; gefährlich, weil Story-Überschuss in solchen Phasen oft zu Überdehnung führt.
Der entscheidende Hitzemesser ist die Distanz zum langfristigen Gleichgewicht. Wenn die Tages-EMA200 deutlich tiefer liegt und der Kurs weit darüber notiert, ist das eine klare Überdehnung – unabhängig davon, wie gut die Story klingt. Das macht den Trend nicht „falsch“, aber es macht neue Einstiege oben schlicht teuer, weil das CRV gegen einen arbeitet, sobald der Markt nur normal atmet.
In der Zone 150–180 USD wirkt Rocket Lab kurzfristig heißgelaufen. Natürlich kann Momentum noch weiterlaufen – genau das ist die Verführung. Nur: Je steiler der Anstieg, desto eher folgt die Korrektur irgendwann nicht als „Mini-Dip“, sondern als echte Normalisierung. Meiner Meinung nach ist hier die wichtigste Frage nicht „Wie weit kann es noch steigen?“, sondern „Wie viel Rücklauf muss ich einkalkulieren, bevor ein Einstieg wieder sauber wird?“.
Gegen ein so starkes Momentum aggressiv anzutraden ist riskant, weil Stops und Trendfortsetzung einen Short schnell aushebeln können. In solchen Phasen gewinnt nicht der, der das Top errät, sondern der, der warten kann, bis der Markt wieder ein vernünftiges Verhältnis aus Risiko und Potenzial anbietet. Der professionelle Ansatz ist deshalb nicht „short, weil es hoch ist“, sondern „long planen, wenn die Korrektur die Aktie wieder in faire Zonen zurückbringt“.

Spannend wird Rocket Lab erst wieder deutlich tiefer: Im Bereich 113–105 USD liegt eine erste saubere Unterstützungszone, die sich über volumengewichtete Referenzen (auf Schlusskursbasis und zusätzlich auf Tiefstkursbasis) als Band strukturieren lässt. Das ist die Art Bereich, in der der Markt typischerweise erstmals wieder „institutionell“ interessant werden kann, weil dort ein Rücklauf in den Trend hinein stattfindet – statt am Allzeithoch hinterherzukaufen.
Rocket Lab bleibt eine beeindruckende Erfolgsstory, aber aktuell ist das Setup für neue Investments oben zu teuer bezahlt. Der robuste Gameplan ist, die Korrektur abzuwarten und die Zone 106–113 USD praktisch als Alarm-Band zu überwachen, statt sich täglich in den Chart hineinzudenken. Aus meiner Perspektive ist das die saubere Haltung: Momentum ja – aber Einstieg erst dann, wenn der Markt wieder Luft abgelassen hat und das CRV zurückkommt.
Herzliche Grüße aus Berlin,
Dennis Gürtler.
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