

Die NVIDIA-Aktie schwankt seit Monaten um die Marke von 210 USD. Mal läuft der Kurs deutlich nach oben, dann wieder zurück nach unten. Unter dem Strich entsteht dadurch eine breite Seitwärtsphase, die grob zwischen 190 USD auf der Unterseite und 240 USD auf der Oberseite verläuft. Aus meiner Perspektive ist genau diese Struktur entscheidend: NVIDIA wirkt auf den ersten Blick weiterhin stark, schafft aber trotz einzelner Impulse keine nachhaltige Fortsetzung. Der Markt arbeitet sich fest, weil die Aktie übergeordnet bereits an einer anspruchsvollen Verortung handelt.

Wenn eine Aktie auf dem Tageschart über Monate nicht wirklich weiterkommt, lohnt sich immer der Blick auf die übergeordnete Zeiteinheit. Dort wird bei NVIDIA sichtbar, warum viele kurzfristige Ausbrüche nicht den großen Schub liefern. Die Aktie bewegt sich nahe ihrer oberen statistischen Bandbreite und hat damit einen Bereich erreicht, in dem das Chance-Risiko-Verhältnis für neue Long-Positionen zunehmend unattraktiv wird. Natürlich kann NVIDIA in solchen Phasen noch 10 oder 20 USD weiter steigen. Entscheidend ist aber, dass diese letzten Bewegungen oft nur Zeit kosten, bevor der Markt wieder in eine Seitwärts- oder Korrekturphase übergeht.
Ein weiteres Problem ist die Lage oberhalb der Value Area des aktuellen Jahres und oberhalb der Value Area des vorherigen Jahres. Diese fairen Preisbereiche basieren auf rund 70 % des gehandelten Volumens und zeigen, wo der Markt tatsächlich Akzeptanz aufgebaut hat. Wenn eine Aktie oberhalb dieser Bereiche prozyklische Ausbrüche erzeugt, sieht das untergeordnet oft verlockend aus. Genau dort liegt aber häufig die Falle. Viele Privatanleger sehen nur zwei oder drei Hochpunkte und erwarten, dass der Ausbruch den nächsten großen Impuls startet. Die übergeordnete Verortung wird dabei ausgeblendet – und genau deshalb funktionieren solche Breakouts an strategisch schlechten Orten häufig nicht.
In einem intakten Aufwärtstrend ist die Frage nicht, ob man grundsätzlich Long handeln darf, sondern wo. Der bessere Einstieg entsteht meist nicht im letzten Drittel eines bereits weit gelaufenen Impulses, sondern deutlich tiefer – idealerweise nach einer Korrektur, in der der Markt wieder günstiger verortet ist. Meiner Meinung nach ist das aktuell der zentrale Punkt bei NVIDIA. Die Aktie ist nicht uninteressant, aber sie ist kurzfristig und mittelfristig zu teuer, um einfach auf den nächsten Ausbruch oben zu setzen. Wer dort handelt, kauft eher die späte Hoffnung als den frühen Impuls.

Untergeordnet zeigt NVIDIA eine interessante Seitwärtsphase zwischen etwa 190 und 212 USD. Sollte der Markt in diese Spanne zurückfallen, könnte ein klassisches Break-in-Szenario entstehen. Das bedeutet: Der Markt scheitert oberhalb einer Struktur, fällt zurück in den zuvor akzeptierten Bereich und arbeitet anschließend wieder die gesamte Range ab. Ein Rücklauf von 212 USD in Richtung 190 USD wäre vor diesem Hintergrund keineswegs ungewöhnlich. Gerade weil die Aktie statistisch überdehnt ist, bleibt dieses Szenario realistisch – auch wenn zwischenzeitliche Erholungen jederzeit möglich sind.
Noch spannender wird das Bild im Bereich um 170 USD, wo die Value Area Low des aktuellen Jahres liegt. Dort könnte NVIDIA wieder deutlich attraktiver werden, vor allem wenn zuvor eine offensichtliche Unterstützung bricht und der Markt dadurch viele Teilnehmer auf die falsche Fährte lockt. Genau solche Situationen entstehen häufig in starken Aufwärtstrends: Erst wird eine wichtige Marke unterschritten, die mediale Stimmung kippt, viele Marktteilnehmer sprechen von Trendbruch – und erst danach entsteht der nächste saubere Impuls. So ordne ich das aktuell ein: Ein Stop-Run auf der Unterseite wäre für NVIDIA deutlich konstruktiver als ein weiterer später Ausbruch auf der Oberseite.

NVIDIA bleibt eine starke Aktie, aber Stärke allein reicht nicht für ein gutes Setup. Die Aktie ist übergeordnet teuer, handelt außerhalb wichtiger Value Areas und kommt trotz wiederholter Anläufe um 210 USD nicht nachhaltig vom Fleck. Ein direkter Ausbruch nach oben wäre deshalb weiterhin anfällig. Deutlich spannender wäre eine tiefere Bereinigung, idealerweise mit einem Bruch einer offensichtlichen Unterstützung, Trapped Sellers und anschließender Rückeroberung. Erst wenn Marktteilnehmer auf der Unterseite in Schieflage geraten, kann daraus wieder die Dynamik entstehen, die einen neuen Impuls wirklich trägt.
Herzliche Grüße aus Berlin,
Dennis Gürtler.
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