In jeder Berichtssaison dominieren die Mag 7 in der Regel die Diskussion. Doch in den vergangenen Monaten hat sich etwas verändert. Zinserhöhungserwartungen, steigende Speicherkosten und gedehnte Bewertungen werfen echte Fragen auf, wie lange die Giganten ihre Position noch halten können.
Stattdessen rückt still und leise eine andere Gruppe von KI-Werten in den Fokus. Hochbandbreitenspeicher (High-Bandwidth Memory) ist zu einem der größten Engpässe beim KI-Ausbau geworden und treibt Speicherchip-Aktien an. KI-Projekte im Verteidigungsbereich haben durch geopolitischen Rückenwind reges Interesse geweckt. Und Hersteller von On-Device-KI-Chips zwingen den Markt zu einem Umdenken darüber, wo die nächste KI-Welle tatsächlich laufen wird.
Der Markt fragt nicht mehr, ob die KI-Nachfrage real ist. Er fragt, wer gewinnt, wer verliert, und wie viel Kurspotenzial bereits eingepreist ist.
In den nächsten zwei Wochen werden drei Unternehmen helfen, diese Frage zu beantworten. Das gilt es zu beobachten.
Beobachten: Erholung des China-Handygeschäfts + Zeitplan für das Rechenzentrumsgeschäft
Qualcomm hat die ehrgeizigste strategische Wette seiner Geschichte platziert. Beim Investor Day im Juni 2026 verdoppelte das Unternehmen sein Umsatzziel außerhalb des Handygeschäfts auf 40 Milliarden US-Dollar bis 2029, stellte eine Roadmap für Rechenzentren vor und erklärte, dass die ersten Hyperscaler-Lieferungen noch in diesem Jahr planmäßig erfolgen sollen.
Dieser Quartalsbericht ist der erste echte Test dafür, ob die Wall Street daran glaubt. Das Management bezeichnete das dritte Quartal als Tiefpunkt beim China-Handyumsatz. Erholt sich die Handynachfrage und hält das Management den Zeitplan für Hyperscaler-Lieferungen ein, gewinnt Qualcomms KI-Story an Glaubwürdigkeit. Andernfalls könnten Trader das Unternehmen eher als Smartphone-Chip-Hersteller auf dem Sprung in die KI sehen, statt als eigenständigen KI-Akteur.
Charttechnisch ist der Kurs von seinen Hochs Ende Mai deutlich zurückgekommen und versucht nun, einen Boden zu finden. Übernehmen die Käufer wieder die Kontrolle, wird die Zone von 190–200 US-Dollar (nahe dem 20-Tage-Durchschnitt) zum ersten zu beobachtenden Widerstandsbereich. Auf der Unterseite ist das Tief von Anfang Juli bei rund 172 US-Dollar die erste Unterstützung, mit der Kurslücke von Ende April bei 157,3–163,6 US-Dollar als nächster Verteidigungslinie.
*Quelle: TradingView, 13. Juli 2026.
Beobachten: Rechenzentrumsumsatz — findet der MI450-Hochlauf tatsächlich statt?
AMD ist einer der glaubwürdigsten Herausforderer von Nvidia bei KI-Beschleunigern, und das zweite Quartal entscheidet, ob sich diese Story bestätigt oder ins Wanken gerät. Die MI400-Serie ist darauf ausgelegt, direkt mit Nvidias Bestem zu konkurrieren, und AMDs Rack-Scale-Plattform Helios soll im dritten Quartal 2026 mit dem Versand beginnen.
Die entscheidende Kennzahl ist der Rechenzentrumsumsatz. Im letzten Quartal lag er bei 5,8 Milliarden US-Dollar. Die Messlatte für das zweite Quartal liegt höher – ebenso die Aufmerksamkeit. AMDs Hochlauf hängt davon ab, ob genug HBM4-Speicher in großen Mengen gesichert werden kann, mitten im engsten Speichermarkt seit Jahren. Verzögern Lieferengpässe den Helios-Zeitplan, leidet die Story von AMD als Nvidia-Herausforderer.
Charttechnisch konsolidiert der Kurs seit einem Monat nahe den jüngsten Hochs. Ein Bruch unter den 20-Tage-Durchschnitt würde die Aufwärtstrendlinie seit Mitte Mai und die psychologische Marke von 500 US-Dollar als wichtige Unterstützungen auf der Unterseite ins Spiel bringen. Auf der Oberseite könnte ein starker Gewinnausweis das Allzeithoch nahe 585 US-Dollar wieder in den Fokus rücken. *
*Quelle: TradingView, 14. Juli 2026.
Beobachten: US-Geschäftskundenumsatz — skaliert die AIP-Plattform über den Regierungssektor hinaus?
Palantir liegt dieses Jahr rund 26 % im Minus – das Geschäft hat sich jedoch nicht verlangsamt. Der Umsatz wächst weiterhin schnell, und die Verteidigungsstory wird von Woche zu Woche stärker.
Der jüngste Katalysator: eine Partnerschaft mit Nvidia vom 1. Juli zur Bereitstellung souveräner KI auf abgeschotteter (air-gapped) Regierungshardware, ein erweiterter Vertrag mit der US-Armee, sowie ein geopolitisches Umfeld – steigende Verteidigungsbudgets, Vorgaben für souveräne KI, KI auf dem Schlachtfeld – das genau in Palantirs Geschäftsfeld spielt. Die Aktie hat sich bereits um 11 % von ihren Junitiefs erholt.
Die Nachfrage der öffentlichen Hand wirkt bereits solide. Die eigentliche Frage ist, ob die Geschäftskunden mithalten können. Der US-Geschäftskundenumsatz wuchs im ersten Quartal um 133 %. Hält sich dieses Wachstumstempo oder beschleunigt es sich, wird die aktuelle Bewertungsprämie schwerer infrage zu stellen sein. Verlangsamt es sich, könnte die Bewertungsprämie stärker unter die Lupe genommen werden.
Charttechnisch gilt es zu beobachten, wie der Kurs auf der Unterseite um das Apriltief bei 122,7 US-Dollar reagiert und auf der Oberseite um das Anfang-Juli-Hoch nahe 139 US-Dollar als zentrale Marke zur Rückeroberung. *
*Quelle: TradingView, 14. Juli 2026.
Drei Unternehmen. Drei ganz unterschiedliche KI-Geschichten.
AMD braucht KI-Hardware, die pünktlich ausgeliefert wird. Qualcomm braucht Trader, die daran glauben, dass das Unternehmen mehr als ein Handygeschäft werden kann. Palantir braucht ein Geschäftskundengeschäft, das so schnell wächst wie sein Regierungsgeschäft. Zusammen liefern sie einen der klarsten Hinweise bislang darauf, wohin sich der KI-Trade als Nächstes entwickelt.
Und wichtig: Alle drei legen ihre Zahlen vor Nvidia vor. Das bedeutet, sie prägen die Erwartungen im Vorfeld einer der meistbeachteten Quartalsveröffentlichungen des Marktes.
Ob Beat-Saison oder Miss-Saison – die daraus resultierende Volatilität schafft potenzielle Chancen in beide Richtungen.
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Hinweis – alle Zahlen in diesem Artikel sind zum 13. Juli 2026 korrekt; die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse.
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