
-AMD geht mit einer Umsatzerwartung von rund 11,3 Mrd. USD in die Q2-Zahlen 2026. Damit ist bereits eine leichte Übertreffung der unternehmenseigenen Prognose von 11,2 Mrd. USD eingepreist, während beim Gewinn je Aktie mit rund 1,60 bis 1,62 USD gerechnet wird.
-Im Fokus stehen die Erholung des Instinct-Geschäfts, der Zeitplan für die ersten Helios-Auslieferungen gegen Ende des dritten Quartals sowie die Frage, ob die Bruttomarge nach 53 % im Vorquartal bei rund 56 % gehalten werden kann.
-Aus technischer Sicht notiert die Aktie bei 482,48 USD und liegt damit weiterhin unter ihren kurzfristigen gleitenden Durchschnitten. Widerstände liegen im Bereich von 489 bis 503 USD, während die entscheidende Unterstützungszone zwischen 432 und 433 USD verläuft.
AMD schloss das erste Quartal mit einem Umsatz von 10,253 Mrd. USD ab, was einem Anstieg von 38 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Den größten Wachstumsbeitrag lieferte das Data-Center-Geschäft, dessen Umsatz auf 5,8 Mrd. USD stieg und damit um 57 % zulegte. Für das zweite Quartal erwartet AMD einen Umsatz von 11,2 Mrd. USD (± 300 Mio. USD), eine Bruttomarge von rund 56 % sowie ein sequenzielles Wachstum von etwa 9,2 %. Die Konsensschätzung liegt mit rund 11,3 Mrd. USD leicht darüber. Von diesem Wert dürften rund 6,6 Mrd. USD auf das Data-Center-Geschäft entfallen, darunter etwa 3,63 Mrd. USD auf Serverprozessoren, 2,75 Mrd. USD auf KI-Beschleuniger und 284 Mio. USD auf FPGAs.

Die Stärke von EPYC gegenüber Intel bleibt eine der zentralen Fragen vor den Zahlen. Das Wachstum im vergangenen Quartal wurde vor allem durch Marktanteilsgewinne in Cloud- und Unternehmensanwendungen getragen. Die zuletzt solide Entwicklung des Data-Center-Geschäfts bei Intel spricht zwar für eine robuste Gesamtnachfrage, deutet aber zugleich darauf hin, dass der Wettbewerb im CPU-Markt intensiv bleiben dürfte. Für die übrigen Segmente rechnet der Markt mit Umsätzen von rund 3,0 Mrd. USD im Client-Geschäft, 780 Mio. USD im Gaming-Bereich und 960 Mio. USD im Embedded-Segment.
Sollten sich die Vereinbarungen mit Meta, OpenAI und Anthropic wie erwartet entwickeln, könnte der Gewinn je Aktie bis 2027 auf rund 19 USD und bis 2028 auf 27,57 USD steigen – deutlich mehr, als die derzeitigen Marktschätzungen erwarten lassen.
Der zweite und vermutlich wichtigste Faktor ist die Entwicklung der Instinct-Beschleuniger. Im ersten Quartal wurde das Geschäft mit Data-Center-GPUs durch die Umstellung von für China bestimmten Produkten belastet, während das Wachstum des Segments vor allem von CPUs getragen wurde.
Entscheidend wird sein, dass die Umsätze mit Beschleunigern wieder ein sequenzielles Wachstum im zweistelligen Prozentbereich erreichen, ohne dass die Dynamik ausschließlich von EPYC getragen wird. Ein Ergebnis im Data-Center-Geschäft von 6,6 Mrd. USD oder mehr, gestützt auf einen ausgewogenen Beitrag von CPU- und GPU-Umsätzen, hätte deutlich mehr Aussagekraft als ein Wachstum, das allein von klassischen Prozessoren getragen wird.
AMD hat zudem mitgeteilt, dass Helios bereits in Produktion ist und die ersten Auslieferungen gegen Ende des dritten Quartals erwartet werden. Die Plattform vereint 72 MI455X-Beschleuniger, 18 EPYC-Venice-Prozessoren, Pensando-Netzwerktechnologie und die ROCm-Software. Nach Angaben des Unternehmens kann sie pro investiertem Dollar bis zu 30 % mehr Inferenz-Tokens liefern als konkurrierende Systeme. OpenAI will diese Systeme ab dem vierten Quartal einsetzen und die Implementierung im Jahr 2027 deutlich ausweiten, während Meta die Plattform bereits für eigene KI-Anwendungen erprobt.
Ein weiterer wichtiger Faktor wird die Margenentwicklung sein. Sowohl AMD als auch die Konsensschätzungen gehen von einer Bruttomarge von rund 56 % aus. Eine höhere Marge würde darauf hindeuten, dass das Wachstum von EPYC die Vorlaufkosten für HBM-Speicher, moderne Packaging-Technologien und Rack-Scale-Systeme zunehmend kompensiert. Eine niedrigere Marge könnte dagegen auf einen weniger günstigen Produktmix oder höhere Komponentenkosten hindeuten.

Abseits des Data-Center-Geschäfts fällt das Wachstumspotenzial deutlich geringer aus. Das Client-Segment dürfte zwar von weiteren Marktanteilsgewinnen bei Ryzen und einem günstigeren Produktmix gestützt werden, doch steigende Speicherpreise könnten die Nachfrage belasten. Hinzu kommen saisonale Gegenwindfaktoren in der zweiten Jahreshälfte. Für sich genommen dürften diese Segmente die Kursreaktion kaum bestimmen. Eine stärkere Abschwächung würde die Abhängigkeit von den KI-Investitionen jedoch weiter erhöhen.
Letztlich dürfte die Marktreaktion davon abhängen, ob die ersten Helios-Auslieferungen bestätigt werden, sich das Wachstum im vierten Quartal spürbar beschleunigt und die Prognose für den Folgezeitraum klar über den derzeitigen Markterwartungen von rund 12,5 Mrd. USD liegt.
Aus technischer Sicht befindet sich AMD derzeit in einer kurzfristigen Korrektur innerhalb eines weiterhin intakten übergeordneten Aufwärtstrends. Mit einem Kurs von 482,48 USD notiert die Aktie unter dem 10-Tage-EMA (489,40 USD), dem 21-Tage-EMA (502,45 USD) sowie dem 50-Tage-SMA (512,91 USD), wodurch das kurzfristige technische Bild weiterhin unter Druck bleibt. Der RSI von 46,31 signalisiert ein neutrales bis leicht nachlassendes Momentum, während der ADX von 14,29 auf eine geringe Trendstärke hindeutet und die Wahrscheinlichkeit einer Konsolidierungsphase erhöht.
Die erste Widerstandszone liegt zwischen 489 und 503 USD. Ein Tagesschlusskurs oberhalb dieses Bereichs würde die Tür für einen Anstieg in Richtung 513 USD und anschließend in die Zone zwischen 530 und 550 USD öffnen. Ein konservativer Ansatz würde zunächst eine nachhaltige Rückkehr über die Zone zwischen 503 und 513 USD abwarten, wobei eine Absicherung unterhalb von 489 USD sinnvoll erscheint. Eine risikofreudigere Alternative wäre, auf eine Stabilisierung oberhalb des Bereichs zwischen 455 und 460 USD zu setzen, sofern dort eine deutliche Kaufreaktion erkennbar ist.

Die zentrale Unterstützungszone liegt zwischen 432 und 433 USD und entspricht dem 61,8%-Fibonacci-Retracement. Ein Bruch dieser Zone könnte den Weg für Kursrückgänge in Richtung 386,53 USD ebnen. Ein Rückfall unter 455 USD wäre als defensives Signal zu werten. Unterhalb von 432 USD würde sich die technische Lage deutlich verschlechtern.
Da EPYC seine Rolle als Wachstumsmotor bereits bestätigt hat, während Instinct und Helios diesen Nachweis noch erbringen müssen, fällt der Ausblick auf die Q2-Zahlen von AMD derzeit neutral aus. Ob die langfristige Investmentstory im Wettbewerb mit Nvidia Bestand hat, dürfte maßgeblich von bestätigten Helios-Auslieferungen und einer Prognose abhängen, die über den derzeit erwarteten rund 12,5 Mrd. USD liegt. Aus technischer Sicht wäre zudem eine Rückkehr über die Zone zwischen 503 und 513 USD oder eine erfolgreiche Verteidigung der Unterstützung bei 432 bis 433 USD erforderlich, um das kurzfristig eingetrübte Bild aufzuhellen.
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