

Der DAX beziehungsweise FDAX zeigt aus der Big-Picture-Perspektive weiterhin ein bullisches, aber zunehmend anspruchsvolles Bild. Entscheidend ist dabei nicht nur, ob der Markt kurzfristig noch weiter steigen kann, sondern wo er im Verhältnis zu seinen übergeordneten Preisbereichen steht. Aus meiner Perspektive wird genau diese Verortung jetzt besonders wichtig. Der Markt notiert nicht mehr tief in einer attraktiven Korrektur, sondern oberhalb zentraler Value-Bereiche. Damit wird die Luft für mittel- bis langfristige Long-Positionen zunehmend dünner, auch wenn kurzfristig weitere Stärke nicht ausgeschlossen ist.
Im März 2026 war die Situation nahezu umgekehrt. Der Markt handelte damals sowohl unter der Value Area Low des aktuellen Jahres als auch unter der Value Area Low des vorherigen Jahres. Diese lag bei rund 23.587 Punkten. Gleichzeitig erreichte der DAX seine untere statistische Schwankungsgrenze. Genau diese Kombination war aus taktischer Sicht interessant: tiefe Value-Verortung, statistische Untertreibung und damit ein Umfeld, in dem Long-Positionen deutlich attraktiver wurden. Ähnlich war es auch im April 2025, als der Markt ebenfalls in einer übergeordnet günstigen Zone handelte.
Heute zeigt sich eine deutlich andere Ausgangslage. Der DAX notiert sowohl oberhalb der Value Area High des aktuellen Jahres als auch oberhalb der Value Area High des vorherigen Jahres. Das sind zwei wichtige Hinweise darauf, dass der Markt bereits relativ teuer geworden ist. Zusätzlich nähert sich der Index zunehmend der oberen statistischen Bandbreite, die im Bereich von etwa 26.700 bis 27.100 Punkten liegt. Meiner Meinung nach ist das kein unmittelbares Short-Signal, aber ein klares Warnsignal für das Chancen-Risiko-Verhältnis. Wer hier noch neue Long-Positionen aufbaut, muss wissen, dass das verbleibende Potenzial zunehmend begrenzt wirkt.

Natürlich kann der DAX kurzfristig noch weiter steigen. Ob der Markt nun noch 2 %, 3 % oder sogar 5 % auf der Oberseite macht, ist im Big Picture nicht der entscheidende Punkt. Wichtig ist vielmehr, dass das Verhältnis von möglichem Restpotenzial zu möglichem Rückschlagrisiko zunehmend unattraktiver wird. Ein Markt kann länger teuer bleiben, als viele erwarten. Trotzdem bleibt die strategische Aussage bestehen: Je näher der DAX an die obere statistische Bandbreite heranläuft, desto stärker sollte man mittelfristige Korrekturen mit einplanen.

Der Blick auf den Dow Jones verschärft diese Einordnung. Der US-Index ist bereits deutlich stärker überdehnt und hat seine obere statistische Bandbreite bei rund 54.340 Punkten zuletzt überschossen. Anschließend lief der Markt wieder zurück. Auch hier bleibt das kurzfristige Bild zwar noch bullisch, aber die Verortung ist klar teuer. Wenn die US-Indizes in eine Korrektur übergehen, dürfte sich der DAX diesem Druck kaum vollständig entziehen können. Gerade aus mittel- bis langfristiger Perspektive ist das relevant, weil starke US-Rückläufe häufig auch europäische Indizes mit nach unten ziehen.
Beim Dow Jones liefert der volumengewichtete Durchschnitt auf Schlusskursbasis eine erste mittelfristige Orientierung im Bereich von rund 51.210 Punkten. Darunter könnte der Markt auch in Richtung 50.000 Punkte laufen. In einem mittleren Korrekturszenario wäre sogar die Zone zwischen 48.000 und 49.000 Punkten denkbar. Diese Marken zeigen, dass eine überdehnte Struktur nicht sofort kippen muss, aber bei einem Stimmungswechsel durchaus spürbaren Rücklaufspielraum besitzt. So ordne ich das aktuell ein: Der Dow Jones ist bereits weiter in der Übertreibung, während der DAX noch etwas Restpotenzial hat – teuer sind aber beide.
Für die strategische Planung im DAX bedeutet das: Der Markt bleibt kurzfristig konstruktiv, aber mittelfristig sollte man Korrekturrisiken sehr ernst nehmen. Besonders dann, wenn der DAX die obere statistische Zone zwischen 26.700 und 27.100 Punkten tatsächlich erreicht oder überschießt, wäre der Markt noch stärker heißgelaufen. Genau dort sollte man nicht mehr aus Euphorie agieren, sondern sehr bewusst zwischen kurzfristigem Momentum und übergeordnetem Risiko unterscheiden. Gute Long-Chancen entstehen eher wieder nach Korrekturen in faire Zonen – nicht zwingend am oberen Rand einer statistischen Ausdehnung.
Herzliche Grüße aus Berlin,
Dennis Gürtler.
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