

Die Situation im FDAX bleibt aus meiner Perspektive weiterhin bedenklich. Untergeordnet zeigt der Markt bereits erste Warnzeichen, weil er immer wieder an der Oberseite einer engen Range scheitert. Der DAX bewegt sich aktuell in einem Bereich von ungefähr 200 Punkten, kommt auf der Oberseite aber nicht wirklich weiter. Immer wieder entstehen kleinere Anläufe, die zunächst konstruktiv aussehen, anschließend aber zügig abverkauft werden. Genau dadurch entsteht der Eindruck einer Art Glasdecke: Der Markt versucht auszubrechen, findet aber oberhalb der Range keine nachhaltige Akzeptanz.

Im Stundenchart wird klarer, woran der DAX derzeit festhängt. Der Markt arbeitet sich an der oberen Begrenzung eines breiteren Trendkanals ab, der seit April läuft und eine grobe Spannweite von rund 1.500 Punkten umfasst. Impulse innerhalb dieses Kanals sind grundsätzlich handelbar, aber die bessere Verortung liegt klar auf der Unterseite. Oben im Kanal wird das Chance-Risiko-Verhältnis zunehmend problematisch. Natürlich kann der Markt noch einmal kurz darüberlaufen, genau das macht solche Situationen so verlockend. Aber gerade diese späten Ausbrüche am oberen Rand sind häufig anfällig für Fehlausbrüche.

Ein ähnliches Muster war zuletzt im Dow Jones zu beobachten. Auch dort handelte der Markt kurzzeitig oberhalb einer kritischen Struktur, der Ausbruch wirkte untergeordnet zunächst attraktiv, wurde anschließend aber wieder abverkauft. Genau solche Bewegungen sind gefährlich, weil sie auf kleineren Zeiteinheiten bullisch aussehen können, während das größere Bild bereits eine teure Verortung zeigt. Das gilt im Übrigen auch umgekehrt: Am unteren Rand entstehen oft scheinbar klare Short-Signale, obwohl der übergeordnete Kontext dort keine guten Shorts mehr hergibt. Für mich ist deshalb entscheidend, den Minuten- oder 5-Minuten-Chart nie isoliert vom größeren Bild zu betrachten.
Sollte der FDAX kurzfristig noch einmal über die obere Range und den Trendkanal hinausschieben, wäre das nicht zwangsläufig ein positives Signal. Gerade an dieser Stelle könnte ein solcher Ausbruch eher als potenzieller Fehlausbruch gewertet werden. Der Markt würde dann oberhalb der bisherigen Struktur Liquidität einsammeln, möglicherweise weitere Käufer anziehen und anschließend wieder in die Range zurückfallen. Genau solche Situationen können größere Korrekturen einleiten, weil späte Long-Positionen dann schnell in Schieflage geraten. Aus meiner Sicht wäre ein sauberer Long-Kontext deutlich attraktiver, wenn der Markt tiefer im Kanal handelt – nicht direkt an dessen Oberseite.

Auch der übergeordnete Wochenchart liefert kein besonders günstiges Bild. Der DAX handelt deutlich oberhalb der Value Area des aktuellen Jahres und ebenfalls oberhalb der Value Area des vorherigen Jahres. Diese fairen Preisbereiche basieren auf dem gehandelten Volumen und zeigen, wo der Markt über längere Zeit tatsächlich akzeptierte Preise ausgebildet hat. Im März war die Situation noch anders: Der Markt notierte deutlich tiefer und damit wesentlich attraktiver für Long-Überlegungen. Jetzt steht der DAX dagegen im oberen Bereich seiner Struktur. Das bedeutet nicht, dass er sofort fallen muss, aber es reduziert die Qualität neuer mittelfristiger Long-Positionen deutlich.
Zusätzlich nähert sich der Markt seinen oberen statistischen Schwankungsgrenzen. Genau diese Perspektive ist wichtig, weil sie zeigt, ob ein Markt eher günstig, fair oder bereits deutlich ausgedehnt handelt. Aktuell dockt der DAX zunehmend an den oberen Bandbereichen an. Damit kann er zwar noch ein oder zwei Prozent nach oben laufen, aber das Verhältnis aus möglichem Restpotenzial und möglichem Rückschlagrisiko wird immer unattraktiver. Meiner Meinung nach ist das der Kern der aktuellen Situation: Der Markt ist nicht automatisch bärisch, aber für neue Swing-Longs schlicht nicht mehr sauber verortet.
Der DAX hat zuletzt einen Impuls von rund 1.800 Punkten beziehungsweise etwa 7,5 % geliefert. Wenn danach eine Korrektur einsetzt, wäre das völlig normal und gesund. Kritisch ist nur, dass eine solche Korrektur schnell in Richtung 25.500 Punkte oder tiefer laufen könnte. Genau deshalb halte ich die aktuelle Lage im FDAX für bedenklich. Kurzfristiges Daytrading an klaren Marken bleibt möglich, aber Long-Positionen auf Swing- oder Läuferbasis für mehrere Tage oder Wochen erscheinen mir an dieser Stelle nicht mehr attraktiv. Der Markt ist oben nicht automatisch fertig – aber er ist deutlich teuer genug, um Korrekturrisiken sehr ernst zu nehmen.
Herzliche Grüße aus Berlin,
Dennis Gürtler.
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