

Bei Visa ging es Ende Dezember nicht darum, ein neues Setup zu antizipieren, sondern bewusst ein bereits entwickeltes Szenario auszuwerten. Genau solche Blueprint-Analysen sind entscheidend, um Fortschritte im Trading zu machen, denn sie trennen saubere Marktmechanik von bloßer Interpretation. Der Fokus lag klar darauf, nicht dem reflexhaften Ausbruchstrading zu folgen, sondern den tatsächlichen Volumenkontext zu verstehen, in dem sich der Markt bewegt.
Vorherige Analyse: https://pepperstone.com/de-de/analysen/visa-ruecklauf-statt-momentum-wo-der-markt-wirklich-entscheidet/
Aus charttechnischer Sicht wirkte der Ausbruch zunächst lehrbuchhaft. Viele Marktteilnehmer hätten hier automatisch auf den Rücklauf an das ehemalige Ausbruchsniveau gesetzt, in der Annahme, dass ein Widerstand zur Unterstützung wird. Genau an diesem Punkt zeigte das Volumenprofil jedoch eine klare Schwäche dieser Logik. In dem Bereich des offensichtlichen Pullbacks lag nahezu kein relevantes Volumen, was bedeutet, dass dort keine echte institutionelle Unterstützung existierte. Solche Zonen werden vom Markt in der Regel nicht respektiert, sondern zügig durchhandelt, was Pullback-Trader regelmäßig in schwierige Situationen bringt.

Bereits in der ursprünglichen Analyse wurde deshalb klar herausgearbeitet, dass die relevante Long-Zone nicht am Ausbruch selbst lag, sondern tiefer – im Bereich der ausgeprägten High-Volume-Node um 346 US-Dollar. Dort befand sich das institutionelle Gleichgewicht, also der Bereich, in dem der Markt zuvor bereit war, signifikantes Volumen zu handeln. Wichtig war dabei von Anfang an die klare Regel: Diese Zone ist kein automatischer Einstieg, sondern lediglich der Kontext. Erst wenn der Markt dort sichtbar reagiert und Stärke zeigt, entsteht ein handelbares Setup.

Genau dieses Szenario spielte sich anschließend ab. Der Kurs wurde zunächst dynamisch in die Volumenzone hineingedrückt, was für viele ungeübte Marktteilnehmer wie ein klassisches „fallendes Messer“ wirkte. Entscheidend war jedoch die Reaktion: Das Momentum stoppte abrupt, der Markt ging in eine enge Seitwärtsphase über und begann, höhere Tiefs auszubilden. Mit dem untergeordneten Ausbruch aus dieser Struktur entstand das eigentliche Einstiegssignal. Der Trade war damit nicht prognosebasiert, sondern reaktiv – ausgelöst durch beobachtbare Stärke im Preis.
Das Ergebnis war ein technisch sauberes Chance-Risiko-Verhältnis von rund 2:1, zunächst mit einer schnellen Bewegung nach oben und später sogar einer zweiten, risikoarmen Einstiegsmöglichkeit nach dem erneuten Rücklauf an die Bodenbildungszone. Dieses Verhalten ist typisch: Märkte testen relevante Volumenbereiche häufig mehrfach, bevor sie sich weiter in Trendrichtung bewegen. Der entscheidende Lernpunkt liegt darin, geduldig auf diese Bestätigungen zu warten, statt Positionen aus Erwartung oder Theorie heraus zu erzwingen.
Herzliche Grüße aus Berlin,
Dennis Gürtler.
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