
Während große Indizes wie DAX, Dow Jones oder S&P 500 neue Hochs markieren, startet Adobe mit einem spürbaren Sell-off ins Jahr und verliert rund sieben Prozent. Diese relative Schwäche ist kein Nebengeräusch, sondern ein klares Signal. Gerade im institutionellen Kontext ist nicht entscheidend, ob Märkte insgesamt steigen oder fallen, sondern welche Titel hinterherhinken. Genau das macht Adobe aktuell zu einem Kandidaten, der genauer analysiert werden muss – nicht aus Prognosegründen, sondern wegen der klar veränderten Marktstruktur.
Im Dezember hatte sich bei Adobe eine saubere Seitwärtsphase etabliert, begrenzt durch die Value Area zwischen grob 343/344 und 356 US-Dollar. Diese Range wurde mehrfach respektiert und klar gehandelt. Mit dem dynamischen Bruch nach unten hat sich das Bild jedoch grundlegend verändert. Eine solche Auflösung einer Range ist selten zufällig, sondern Ausdruck davon, dass Akzeptanz aus dem Markt genommen wird. Käufer ziehen sich zurück, während Verkaufsinteresse dominiert. Solange der Markt unter dieser ehemaligen Value Area notiert, ist der Bias klar auf der Short-Seite verortet.

Das primäre Szenario bleibt daher ein Rücklauf an die gebrochene Value Area, idealerweise in den Bereich um 344 US-Dollar. Entscheidend ist jedoch nicht das Erreichen der Zone, sondern die Reaktion des Marktes. Nur wenn sich dort erneut Schwäche zeigt – etwa durch Absorption, scheiternde Erholungsversuche oder untergeordnete Umkehrmuster – wird daraus ein valides Short-Setup. Ein „kaltes“ Shorten ohne sichtbare Bestätigung ist in diesem Umfeld gefährlich, da daraus schnell ein steigendes Messer entstehen kann. Der Unterschied zwischen Prognose und Trading liegt genau hier: Nicht die Zone allein handelt, sondern die Reaktion des Preises an dieser Zone.
Sollte es wider Erwarten zu einem dynamischen Anstieg kommen, etwa durch ein Gap direkt zurück in den Bereich um 356 US-Dollar, wird das Bild neu bewertet. In diesem Fall verwandelt sich der frühere Widerstand potenziell in eine Unterstützung. Auch hier gilt: kein blindes Handeln. Erst wenn gleitende Durchschnitte mitdrehen und sich untergeordnet klare Stärke zeigt, wird ein Long-Pullback relevant. Die Zone bleibt dieselbe, nur die Handelsrichtung ändert sich. Das Setup ist damit flexibel, aber nicht beliebig – der Markt entscheidet, welches Szenario gespielt wird.
Unabhängig von der Richtung bleibt das Grundprinzip identisch: Adobe muss eine der definierten Schaltstellen erreichen und dort eine eindeutige Reaktion zeigen. Entweder Schwäche an der ehemaligen Value Area für ein Short-Setup oder Stärke nach einem Re-Break für ein Long-Pullback. Alles dazwischen ist Rauschen. Gerade in einem Marktumfeld, in dem viele Titel stark laufen, ist Disziplin entscheidend, um nicht gegen relative Schwäche anzukämpfen oder voreilig Hoffnungen zu handeln.
Herzliche Grüße aus Berlin,
Dennis Gürtler.
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